Meereskunde
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Aus Hoch- und Niedrigwasserbeobachtungen wurden Fourierdarstellungen der
halbmonatlichen Ungleichheiten und daraus die nonharmonischen Gezeiten
grundwerte und Gezeitemmterschiede von etwa 150 Pegelstellen der deutschen
Nordseeküste neu abgeleitet. Die meisten der untersuchten Beobachtungsreihen
stammten aus dem jüngsten Zeitraum. Ebenso wurden aus den ausführlichen
Vorausberechnungen der Hoch- und Niedrigwasser für einige ausländische Be
zugsorte Gezeitengrundwerte neu bestimmt. Diese Arbeiten dienten zum Laufend
halten der Gezeitentafeln.
Die Vorausberechnungen für die 13 deutschen Bezugsorte für die Gezeitentafeln
1989 beruhen auf Analysen des 19jährigen Beobachtungszeitraumes 1968 bis
1986.
Unter Benutzung von Gezeitengrundwerten, die aus Watt- und Vermessungspegel
beobachtungen abgeleitet wurden, sind die Karten der Linien gleichen mittleren
HochwasserzeitunterscMedes und die Karten der Linien gleichen mittleren Spring-
tidenhubs überarbeitet worden. Für die Seevermessung wurden 5 Wasserstands
errechnungskarten zum Beschicken der Lotungen entworfen.
Es wurden Rechnerprogramme entwickelt, die bei den Vorausberechnungen der
Gezeiten nach dem harmonischen Verfahren die „Tafeln der Astronomischen Argu
mente V 0 +v und der Korrektionen j. v“ ersetzen.
Zahlreiche Auskünfte über Gezeiten und Wasserstände waren an Schiffahrts
kreise, Seeämter, Gerichte und Privatpersonen zu erteilen.
Das Digitalisieren von Pegelkurven wurde weitergeführt. Insgesamt wurden 10
Jahresreihen halbstündlicher Wasserstandsbeobachtungen von den Pegeln Helgo
land, Büsum, Cuxhaven und Borkum-Fischerbalje erfaßt. Damit Hegen von Cuxha
ven die Reihen 1918 bis 1986 und von Büsum 1952 bis 1986 vollständig vor.
Untersuchungen zur Errechnung mittlerer Tidenkurven als Funktion der halbmo
natlichen Ungleichheit wurden begonnen.
Untersuchungen zur säkularen Wasserstandsänderung an der deutschen Nordsee
küste wurden weitergeführt. In der Abb. 4 sind jährliche Mittelwerte des Hochwas
sers (MlIW) und des Niedrigwassers (MNW) bei Hamburg von 1841 bis 1986
dargestellt. Es wird deutlich, daß in dieser Zeitspanne das mittlere Hochwasser
um etwa 50 cm angehoben und das mittlere Niedrigwasser um etwa 110 cm
abgesenkt wurde.
2.2.1.4 Wasserstandsvorhersage- und Sturmflutwarndienst
Der Wasserstandsvorhersage- und Sturmilutwarndienst wurde wie bisher unter
Beteiligung mehrerer Wissenschaftler wahrgenommen und vom Seewetteramt
wetterkundlich beraten.
Der Norddeutsche Rundfunk, Radio Bremen, der Deutschiandfunk und Radio
Schleswig-Holstein verbreiteten regelmäßig die Vorhersage der Hochwasser
stände an der deutschen Nordseeküste, bei Emden, Bremen und Hamburg. Die
Radarzentralen Knock, Bremerhaven, Cuxhaven und der Schiffsmeldedienst in
Hamburg erhielten mindestens zweimal täglich Vorhersagen für die Hoch- und
Niedrigwasser auf ihren Revieren. Außerhalb der regulären Dienstzeit konnte die
jeweils ausgegebene Wasserstandsvorhersage von einem automatischen Anrufbe
antworter abgerufen werden.
Ein fester Empfängerkreis, dem im Berichtsjahr 302 Behörden und private Inte
ressenten angehörten, erhielt 1972 Warnungen. Über den Rundfunk und die Tele
fonansage der Bundespost wurden 5 Sturmflutwarnungen für die deutsche Nord
seeküste ausgegeben. Die deutsche Ostseeküste wurde einmal vor einer Sturmflut