Nautische Veröffentlichungen, Vermessung und Seekarten werk
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CARIS ist ein geographisches Informationssystem, das speziell für den Aufbau von
Datenbanken, die auf geographischen Koordinaten basieren, und für die Unter
stützung der Kartenproduktion aus diesen Datenbanken heraus entwickelt wurde.
Das System wird beim DHI zum Aufbau, zur Aufbereitung und zur Aufdatierung
von Datenbanken digitaler Seekartendaten eingesetzt.
Herzstück ist ein VAX/VMS-kompatibler Rechner Tektronix 4130 G6 als Knotenre-
cher. Er dient zur Bearbeitung interaktiver Arbeitsprozesse und ist mit zwei gra
phischen Arbeätsstationen verbunden. Eine Arbeitsstation besteht aus einem Farb-
Graphik-Terminal Tektronix 4125, einem Digitalisiertisch (gegenwärtig Calcomp
9100) und einem IBM-kompatiblen PC Tandon PEA, der als Controller für den
Digitalisierprozeß eingesetzt wird.
Der Tektronix 4125 dient als Dialogstation zwischen dem Operator und dem Kno
tenrechner. Dadurch ist es möglich, graphische Daten vom Knotenrechner herun
terzuladen und lokal bereitzuhalten. Die Aufgabe des Controller ist es, den Knoten
rechner von Funktionen, die direkt mit dem Digitalisierprozeß in Zusammenhang
stehen, zu entlasten, wie: Analog-Digital-Wandlung, Transformation von Tisch
koordinaten in geographische Koordinaten, Filterung von im Stream-Mode digita
lisierten Linien, Kontrollfunktionen für die Digitalisierung.
Über das Ethernet-Netz des DHI ist das CARIS-System mit dem GRZ verbunden.
Dieser Rechner wird für die Steuerung von Batch-Prozessen, zur Datenspeiche
rung und zum Schreiben von aufbereiteten Dateien für den Zeichentisch Aristo-
mat 308 eingesetzt. Der Zeichentisch ist ebenfalls über Ethernet mit dem System
verbunden, aber auch über Magnetband können die Daten eingegeben werden.
Somit ermöglicht CARIS alle für den Aufbau und die Verwaltung von Datenbanken
notwendigen Arbeiten, von der Datenerfassung bis zur Abfrage von Zusatzinfor
mationen zu den Karteninformationen.
Die Daten werden im Vektorformat in maßstabsabhängigen Karten-, Landes- oder
geographischen Koordinaten gespeichert, wobei die Verwendung verschiedener
Kartenabbildungen und mehrerer geodätischer Daten möglich ist.
Durch die Verwendung topologischer Datenstrukturen ist es möglich, geschlossene
Polygone zu definieren und somit Flächen am Bildschirm farbig auszufüllen und
Beziehungen von Objekten zueinander abzufragen (z. B. Nachbarschaften).
Bei einer Erweiterung des Systems können Zusatzinformationen in einer Attribut-
Datenbank gespeichert werden, die sowohl eine hierarchische als auch eine rela
tionale Struktur aufweisen kann.
Entwicklung von DV-Verfahren für nautische Informationssysteme:
Mitte des Jahres 1987 wurde eine Projektgruppe „Entwicklung von DV-Verfahren
für nautische Informationssysteme“ eingerichtet. Sie nahm ihre Arbeit mit der
Ausarbeitung eines „Minimalkonzeptes für die DV-gestützte Herstellung und Lau
fendhaltung der Seekarten und nautischen Veröffentlichungen“ auf. Dieses Kon
zept sieht für das Jahr 1988 die Durchführung eines Pilotprojektes vor, bei dem
eine Datenbank „Leuchtfeuerverzeichnis“ (Lfv.) mit den Daten des Lfv., Band III а
(Nordsee), eingerichtet wird. Durch dieses Projekt sollen Erkenntnisse über die
Einrichtung weiterer Datenbanken nautischer Veröffentlichungen (NfS, NF) und
über deren Verknüpfung mit der Datenbank der digitalen Seekarteninformationen
gewonnen werden.
Parallel zur Ausarbeitung des Mimmalkonzeptes wurde ein Papier zur Vorlage
beim BMV erarbeitet, das als „Grundlage für eine Ministerentscheidung über das
DV-Vorhaben ECDIS“ dienen soll. Diese Konzeptstudie soll die Entscheidung bei
der Frage erleichtern, wie die Entwicklung der „Elektronischen Seekarte“ (ECDIS)