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Volltext : Jahresbericht 1986

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41.  Jahresbericht  Deutsches  Hydrographisches  Institut  1986

Chlorierte  Kohlenwasserstoffe:
Das  auffälligste  Ergebnis  der  Fahrt  ist  die  Verdoppelung  des  Lind  an-Gehalts  seit
1981.  Die  Konzentration  reicht  von  0,2  ng/1  im  Nordost-Atlantik  bis  15  ng/1  vor
Cuxhaven  (Abb.  14).  Diese  Tatsache  überrascht,  weil  ein  Lindan-Hersteller  in  Hamburg ­
  seinen  Betrieb  Mitte  1984  geschlossen  hatte  und  daher  mit  einem  Rückgang
der  Emissionen  aus  der  Elbe  gerechnet  wurde.
Hauptbestandteil  des  Rohprodukts  der  Lindan-Herstellung  ist  mit  65%  das  Isomere ­
  a-HCH.  Seine  Emission  in  die  Umwelt  hat  abgenommen,  seit  in  Europa
Anwendungsverbote  für  technisches  HCH  bestehen.  Daher  hat  sich  in  der  Nordsee
inzwischen  eine  wenig  strukturierte  Verteilung  zwischen  1  bis  2  ng/1  eingestellt
(Abb.  15).  Mit  10%  Anteil  ist  das  ß-lsomere  im  technischen  HCH  enthalten.  Seine
Verteilung  ist  nur  im  Ostteil  der  Nordsee  signifikant  (Abb.  16).
In  der  Elbe  stellt  das  Hexachlorbenzol  (HCB)  den  organischen  Schadstoff  dar,  der
in  besonders  hohen  Konzentrationen  von  Organismen  angereichert  wird.  In  der
Nordsee  beschränkt  sich  die  Verbreitung  auf  küstennahe  Bereiche  (Abb.  17).  Zwischen ­
  1981  und  1986  ist  eine  Verringerung  des  Eintrags  festzustellen.
Flächendeckend  wurden  Lösungsmittel  wie  Trichlorethen  (Tri)  und  Tetrachlorethen
  (Per)  untersucht.  Die  Stoffe  sind  in  der  ganzen  Nordsee  analytisch  nachweisbar, ­
  erhöhte  Konzentrationen  treten  aber  nur  im  küstennahen  Bereich  auf.
Während  der  Dauer  der  Reise  wurde  eine  Anlage  betrieben,  die  kontinuierlich
Seewasser  extrahiert.  Die  Extrakte  aus  insgesamt  2000  1  Seewasser  werden  für
einen  Methodenvergleich  zur  Bestimmung  von  Organohalogenverbindungen  an
die  zuständigen  Labors  der  Ostsee-Anliegerstaaten  zur  Untersuchung  verteilt.
Erdöl-Kohlenwasserstoffe:
Im  Juni/Juli  wurde  erstmals  die  Verteilung  von  Erdöl-Kohlenwasserstoffen  in  der
Nordsee  bestimmt:  Auf  93  Stationen  wurden  144  Wasserproben  aus  unterschiedlichen ­
  Tiefen  entnommen  und  bereits  im  Schiffslabor  mit  Hilfe  der  Fluoreszenzspektroskopie ­
  auf  ihren  Gehalt  an  Erdöl-Kohlenwasserstoffen  untersucht.
Abb.  18  zeigt  die  oberflächennahen  Werte.  Danach  ist  die  höchste  Konzentration
(6  bis  20  gg/1)  in  der  inneren  Deutschen  Bucht,  vornehmlich  im  Elbemündungsbereich ­
  zu  finden.  Gründe  dafür  sind  der  Eintrag  durch  die  Elbe,  der  dichte  Schiffsverkehr ­
  in  diesem  Gebiet  und  die  relativ  langen  Wasseraustauschzeiten.  Erhöhte
Werte  sind  bis  weit  in  die  offene  See  hinein  zu  finden.  Mit  dem  Reststrom  erfolgt
eine  Verdriftung  der  Schadstoffe  nach  Norden  entlang  der  Westküste  Jütlands.  Die
Konzentration  nimmt  infolge  Verdünnung  und  biochemischen  Abbaus  kontinuierlich ­
  ab.  Eine  Erklärung  für  erhöhte  Werte  im  Oberflächenwasser  des  Skagerraks ­
  und  der  norwegischen  Rinne  (2  bis  3  gg/l)  ist  der  zusätzliche  Eintrag  durch
das  ausströmende  Ostseewasser.  Im  einströmenden  Atlantikwasser  (100  bis  500  m
Wassertiefe)  ist  die  Konzentration  deutlich  niedriger  (0,5  bis  1  gg/1).  Eine  ähnliche
Verteilung  zeigen  auch  andere  organische  Schadstoffe.  Im  nördlichen  und  mittleren ­
  Bereich  der  Nordsee  zeigt  die  Verteilung  der  Erdöl-Kohlenwasserstoffe  eine
größere  „Fleckigkeit“:  Lokal  erhöhte  Werte  können  durch  die  Förderplattformen
in  diesen  Gebieten  verursacht  sein  (z.  B.  wurden  im  Ekofisk-Gebiet  mehrere  begrenzte ­
  Ölflecke  entdeckt  und  beprobt.  Es  handelte  sich  um  Rohöl  der  Sorte
Ekofisk).  In  der  südlichen  Nordsee  zeigen  sich  fast  ausschließlich  niedrige  Werte
(um  0,6  pg/1)  -  eine  Folge  des  Einstroms  von  frischem  Atlantikwasser.  Nur  direkt
vor  der  Rheinmündung  und  vor  der  englischen  Ostküste  sind  etwas  höhere  Werte
(1,5  bis  1,7  pg/1)  zu  finden.
Die  jährliche  Überwachungsfahrt  im  August/September  in  die  Deutsche  Bucht
und  die  westliche  Ostsee  bestätigte  im  allgemeinen  die  Ergebnisse  der  vorangegangenen ­
  Jahre.  Allerdings  war  auf  dieser  Fahrt  die  Schmutzfahne  der  Elbe
aufgrund  der  vorherrschenden  Wetterlage  weiter  nach  Westen  hin  verschoben.
            
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