Meereskunde
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Diese erste Großaufnahme der Nordsee fand vom 2. Mai bis 13. Juni statt. Schad
stoffe in der Wassersäule des Meeres und den darin enthaltenen Schwebstoffen, in
Sedimenten und bodenbewohnenden Organismen, Nährstoffe, Planktonverteilun
gen, ökologische Zusammenhänge und die grundlegenden Parameter der physika
lischen Ozeanographie waren die wichtigsten Ziele der Untersuchung. Ein engma
schiges Netz von 129 Stationen überdeckte die Nordsee einschließlich der Küsten
gewässer und der Einflußbereiche der großen Flüsse. Messungen im Nordatlanti
schen Ozean ergänzten diese Arbeiten.
Die Bestimmung von Quecksilber, Blei und Cadmium konnte im Labor fast vollstän
dig abgeschlossen werden. Erste Ergebnisse für Quecksilber und Blei sind in
Abb. 9 Und 10 dargestellt.
Das DHI erarbeitete außerdem die Einführung einer weiteren nachweissicheren
Variante der Metallbestimmung durch Atomabsorptionsspektrometrie mit
Graphitrohrküvette. Die Bestimmung beruht im wesentlichen auf der Flüssig/Flüs-
sig-Extraktion mit Freon und einer zusätzlichen Rückextraktion in saures wäßri
ges Medium. Das Verfahren erlaubt zusätzlich die Bestimmung von Kobalt und die
Erfassung deutlich niedrigerer Konzentrationen der übrigen Metalle im Wasser.
Bei den See-Einsätzen bewährte sich der neuartige Reinraum-Labor-Container,
wobei weitere Verbesserungen eingeführt werden konnten.
Im Herbst wurde ein umfangreiches, neuartiges Analysensystem beschafft und
aufgebaut, das die simultane Bestimmung einer großen Zahl von Spurenmetallen
im Meerwasser in einem Analysengang erlaubt. Es handelt sich um die Totalrefle-
xions-Röntgenfluoreszenz-Analyse (TRFA). Das DHI konnte im GKSS-Forsehungs-
zentrum Geesthacht erworbene Erfahrungen mit diesem System nutzen. Ein che
mischer Trennungsgang für Meerwasser wurde übernommen und im DHI einge
führt.
2.2.3.2 Radioaktivität des Meeres
Überwachung im Küstenbereich:
Bis zum Reaktorunfall von Tschernobyl (26. 4, 1986) war die Aktivitätskonzentra
tion von künstlichen Radionukliden in der Deutschen Bucht und der westlichen
Ostsee sehr niedrig. Sie entsprach mit Sr-90- und Cs- 137-Werten denen des Vorjah
res zwischen 0,02 Bq/1 und 0,04 Bq/1.
Die vom Tschernobyl-Fallout stammende hohe Radioaktivitätskonzentration im
Regen eines Gewittergebiets, das vom 3. bis 10. Mai die deutschen Küstengebiete
überquerte, führte bereits in den ersten Stunden nach einsetzendem Niederschlag
zu hoher Konzentration im Oberflächenwasser. So registrierte die Überwachungs
station „Borkumriff‘ im radiologischen Wamnetz des DHI am 3. Mai eine Brutto-
Gammastrahlen-Aktivitätskonzentration von 40 Bq/1 in 2 m Wassertiefe. Zur
schnellen Verringerung dieser relativ hohen Anfangsaktivität trug neben dem
radioaktiven Zerfall vor allem die Vermischung mit dem Wasserkörper bei. Zum
Beispiel enthielten die bei „Borkumriff“ am Höhepunkt des Fallout entnommenen
Wasserproben 1,3 Bq/1 Cs 137; wenige Tage später waren dort nur noch 0,2 Bq/1 zu
finden.
In flachen Buchten und in Strandnähe verlief die Aktivitätsabnahme erheblich
langsamer, so daß dort noch Mitte Mai eine etwa zehnfach höhere Konzentration
als in der offenen See gemessen wurde. Der zeitliche Verlauf der Cs-137-Konzen-
tration in Wasserproben, die seit Bekanntwerden des Unfalls regelmäßig auf den
Stationen „Borkumriff* und „Elbe 1“ in der Deutschen Bucht und „Fehmarnbelt“
in der westlichen Ostsee entnommen wurden, ist in Abb. 11 wiedergegeben.