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41. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1986
Die schwierigen Eisverhältnisse stellten hohe Anforderungen an den Eisnachrich
tendienst. Er ist täglich besetzt. In Zusammenarbeit mit der beim WSA Kiel-Holte-
nau eingerichteten Eisdienststelle konnte die Schiffahrt über die Eislage in der
Ostsee stets rechtzeitig unterrichtet und beraten werden.
Vom 29. November 1985 bis zum 29. Mai 1986 wurden 120 gedruckte Eisberichte
und 51 Eiskarten herausgegeben und 400 telefonische und 37 fernschriftliche
Auskünfte erteilt. Das Seewetteramt erhielt für Büdfunksendungen 28 Eiskarten
von der westlichen Ostsee und 30 Eiskarten vom Neufundlandbankgebiet. Die
Küstenfunkstellen Norddeich und Kiel Radio bekamen zur Weiterverbreitung
42 Eiswarnmeldungen und der Deutschlandfunk 42 Eisberichte.
Zahlreiche amerikanische und kanadische Eiskarten und Berichte von den arkti
schen und antarktischen Gewässern wurden im DHI überarbeitet und mit einem
Telekopierer via INMARSAT zur Beratung direkt an PFVS „Polarstern“, MS „World
Discoverer“ und den deutschen Antarktisversorger MS „Icebird“ weitergegeben.
Die Eisdienststelle beim WSA Kiel-Holtenau wurde während der Vereisung der
Ostsee ständig beraten.
Der Austausch von Eismeldungen mit den von der Vereisung betroffenen Anlieger
staaten der Nord- und Ostsee verlief reibungslos. Das Seewetteramt beriet in
gewohnter Weise den Eisdienst meteorologisch.
Die deutschen und polnischen Eisbeobachtungen des vergangenen Winters wur
den in die Eisdatenbank übernommen, ebenso die Ergebnisse der Eiserkundungs
flüge und der Schiffsberichte.
Der Bestand an Eisdaten umfaßt jetzt 41 Winter vom norddeutschen Küstengebiet,
25 Winter von der mecklenburgischen Küste und vier Winter von der polnischen
Küste; das sind insgesamt 70 720 Tage mit Eis.
Für den Betriebsdienst wurde ein über Menü-Prozeduren gesteuertes Programm
system zur Verarbeitung der über das GTS (Global Telecommunication System)
einlaufenden Daten zu Listen und Druckvorlagen entwickelt. Da außerdem die
inländischen Eismeldungen durch eigens kodierte Bildschirm-Maskenprogramme
erfaßt werden, können jetzt alle für den Eisbericht nötigen Druckvorlagen über
den Großrechner hergestellt werden.
Für eine zur Veröffentlichung vorgesehene Zusammenstellung der Angaben über
Eisdicke und -bedeckungsgrad im norddeutschen Küstengebiet aus der Zeit seit
1954 liegt jetzt ein großer Teil der mit selbstentwickelten Programmen gezeichne
ten Eisdaten als Diagramme vor.
Für die eisklimatologischen Arbeiten über die westliche Ostsee wurde für die Zeit
seit 1897 teils direkt aus Beobachtungen, teils durch Regressionsanalyse das bis
zum Ende eines jeden Winters aufsummierte Eisvolumen bestimmt.
Für zwei Seehandbücher wurden die Beiträge über Eis überarbeitet oder neu
geschrieben.
Zahlreiche Gutachten wurden für Reedereien, Makler, Versicherer und Industrie
betriebe angefertigt.
Fernerkundung:
Wie bisher wurden die Koordinierungsaufgaben für ozeanographische Fragen
wahrgenommen. Im Vordergrund standen Arbeitssitzungen des BMFT und der
DFVLR im Zusammenhang mit
- der Nutzung des für 1989/90 vorgesehenen europäischen Erderkundungssatel
liten ERS-1 (ESA Remote Sensing Satellite) mit Begleitprogrammen und
- dem Vorbereitungsprogramm für eine längerfristige europäische Erderkun
dungskonzeption (Earth Observation Preparatory Programme).