Wislicenus: Die Küste von Tonkin.
Vor dem Südostende des Nut Kak-Ba liegen mehrere steile Inselchen,
unter denen“besonders die les Oreilles (Ohren) und la Quille (Kegel) genannten
eigenthümliche Formen haben und deshalb sehr gute Landmarken bilden. Nord-
wärts von diesen äußeren Inselchen liegt der Hafen von Kak-Ba; in seinem
nordöstlichen Theile sieht man ein chinesisches Dorf, über dem ein Fort liegt.
Schiffe von weniger als 6 m Tiefgang finden dort während des Nordostmonsuns
guten Schutz; aber während der. übrigen Jahreszeit steht hier starke Dünung.
Gefahren. Vor der Einfahrt in den Hafen von Kak-Ba liegt 1 Sm in
a 85° W von der Quille eine mit 2,5 m Wasser bedeckte Klippe; rings um sie
herum findet man 8 bis 14 m Tiefe.
Auf der Rhede liegt eine andere Klippe, eine nadelartige Spitze, die nur
1 m Durchmesser hat; bei Niedrigwasser lothet man darauf 2,5 m Wasser. Sie
liegt in N 85° O vom Gipfel einer 125 m hohen (auf französischen Karten mit B
bezeichneten) Insel und auf der Deckpeilung der Westspitze einer (auf französischen
Karten mit H bezeichneten) Klippe in Eins mit der Ostspitze der Oreilles.
Eine Klippe, die 3 m Wasser hat und worauf der „Chdteau-Renaud‘“ im
Jahre 1883 gestofßsen hat, liegt 2'/s Kabllg. südostwärts von der Südostspitze
der Insel (H).
Schließlich liegt eine Klippenplatte von 300 m Länge mit Tiefen von
3 bis 4 m vor der Westspitze der Oreilles, in der Verbindungslinie dieser Klippe
mit der. Quille. Man bleibt frei von diesem Riff, wenn man die letzten Inselchen
des Henriette-Passes (die Inselchen liegen ostwärts von l’Orange) nordwärts frei
hält von einer (mit M bezeichneten) Klippengruppe.
Segelanweisung. Um in den Hafen von Kak-Ba einzulaufen, mufs man
mit Nordkurse auf den Gipfel der Nordwestspitze einer Insel (H), die an ihrer
kegelförmigen Spitze leicht zu erkennen ist, zusteuern; auf diesem Kurse passirt
man zwischen der Klippe von 2,5 m Tiefe und dem Riffe, das die Oreilles nord-
westwärts verlängert. Wenn man von Westen herkommt, mufs man die Klippe
von 2,5 m an Steuerbordseite lassen, indem man auf dieselbe Spitze mit etwas
östlicherem Kurse als NNO zusteuert. Man passirt die Nordwestkante der Insel (H)
in ungefähr 50 m Abstand; sobald man daran vorbei ist, steuert man auf das
Dorf zu und ankert so nahe an diesem, wie es der Tiefgang des Schiffes erlaubt.
Grund weicher Schlick.
Wenn man von SO herkommt, so steuert man, sobald man die
Inseln Norway passirt hat, auf die Quille zu, geht dicht südwärts an ihr vorbei
und dreht, sobald man ostwärts von der Quille ist, auf die Insel (H) zu. Mit
Schiffen von nicht mehr als 4,5 m Tiefgang kann man auch zwischen den
Inselchen hindurchgehen, die vor der Südostseite des Ankerplatzes liegen.
Der Ankerplatz von Kak-Ba bietet acht Monate lang, vom Oktober
beginnend, alljährlich ungefähr tausend chinesischen Dschunken Schutz, die hier
Fischerei treiben.
Man findet einige Hülfsmittel in dem chinesischen Dorfe im Innern des
Hafens. Das Dorf hat einen Ziehbrunnen, der zuweilen gegen Ende des Nordost-
monsuns versiegt.
Der tonkinesische Archipel und seine inneren Kanäle.
Nordostwärts vom Delta des Rothen Flusses ist die tonkinesische Küste
bis nach der chinesischen Grenze hin mit unzähligen hohen und felsigen Inseln
and Inselchen besetzt. Diese Inseln schliefsen Rheden ein, die durch tiefe Pässe
für Seeschiffe zugänglich sind; sie schützen ferner innere Kanäle, die in un-
mittelbarer Verbindung mit den Flulsarmen des Deltas stehen. Dadurch können
Dschunken, Sampans und Flufsfahrzeuge jeder Art ihre Binnenschiffahrt längs
der ganzen Nordküste betreiben. Die Inseln bilden also eine grofse gedeckte
Fahrstrafse, auf der, geschützt vor dem Winde und vor dem Seegange, Schiffe
jeden Tonnengehalts, Flulsschiffe und Seeschiffe, verkehren können. Die See-
schiffe können jederzeit aus diesem Fahrwasser in See gehen.
Hier ist für Schiffe grofsen Tiefganges die einzige Gelegenheit, an der
ganzen Küste von Tonkin Ankerplatz zu finden und mit den Hauptstädten des
Flufsdeltas durch Vermittelung der Leichterfahrzeuge in Verbindung zu treten.