Meereskunde
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tung und Schadstoffbelastung in der gesamten Nordsee". Hierfür ist im
Verlauf des Jahres ein dreidimensionales Nordseemödell entwickelt wor
den, das sich zur Zeit ln der Testphase befindet. Bas Modell hat eine
horizontale Gitterpunktauflösung von 22 km und eine vertikale Auflösung
von maximal 10 Schichten. Die zugrundeliegenden Bewegungsgleichungen
werden durch ein horizontal explizites und vertikal implizites Diffe
renzenverfahren approximiert.
Die begrenzte Kernspeicherkapazität des GRZ im DHI ermöglichte die Im
plementierung des Modells nur mit entsprechend aufwendiger Programmtech
nik. Im Hinblick auf die Möglichkeit eines späteren Einsatzes des Mo
dells im operationellen Betrieb wird bereits jetzt ein besonderes Augen
merk auf die Minimierung des Rechnerzeitbedarfs gelegt.
Die Modelluntersuchungen zur Abschätzung der Folgen einer Einbringung
schwachradioaktiver Abfälle in die TiefSee sind fortgesetzt worden. Es
stehen hierfür ein Modell des Weltozeans (Gitterauflösung: 5° und 5
Schichten) und ein Modell des Nordatlantiks (Gitterauflösung: 1° und 17
Schichten) zur Verfügung.
Auf der Grundlage der Strömungsfelder beider Modelle wird die Ausbrei
tung radioaktiver Stoffe simuliert. Abbildung 5 zeigt den Gleichge
wichtszustand zwischen Einbringung, Zerfall (Halbwertzeit: 30 Jahre),
Transport und Vermischung des radioaktiven Materials nach Ergebnissen
des Weltozeanmodells. In dem speziellen Fall bei einer Halbwertzeit von
30 Jahren tritt der Gleichgewichtszustand nach etwa 155 Jahren ein. Ent
sprechende Rechnungen werden zur Zeit auch im Nordatlantikmodell durch
geführt. Als erster Schritt hierzu sind die mittleren Transportwege be
rechnet worden (Abb. 6).
2.2.1.2 Vermischung
Auf einer dreiwöchigen Fahrt mit FS "Gauß“ im Juli/August gelang es
erstmals - von einer außergewöhnlich ruhigen und stabilen Wetterlage be
günstigt - einen Vermischungsversuch mit dem Testfarbstoff Rhodamin B
unterhalb der thermischen Sprungschicht in allen Phasen erfolgreich
durchzuführen.
In dem gewählten Seegebiet nördlich der Großen Fischerbank (Nordsee)
wurde nach Injektion von 2000 1 10%iger Farbstofflösung in 55 m Tiefe
die Ausbreitung des Farbflecks über 9 Tage in 7 Vermessungen verfolgt.
Die horizontale Verlagerung in dieser Zeit betrug nur 45 km, die Aus
dehnung bei der letzten Vermessung etwa 15 km x 4 km, die maximale Kon
zentration noch etwa 5 x 10“ . Die vollständige Auswertung des um
fangreichen Datenmaterials ist noch nicht abgeschlossen.
Im Herbst begannen langfristig angelegte Ontersuchungen von Fronten in
der Deutschen Bucht. Auf einer zweiwöchigen Fahrt mit dem FS "Gauß" im
Oktober wurde nach Aufspüren einer Front in deren unmittelbarer Nähe
Rhodamin eingebracht. In den folgenden Stunden und Tagen wurde seine
dreidimensionale Verteilung vermessen und Temperatur und Salzgehalt be
stimmt. Bereits die Überblickauswertung zeigte, daß Rhodamin zur Markie
rung von Fronten und von Besonderheiten bei den frontnahen Vermischungs-
Vorgängen geeignet ist. Dies könnte für die Schadstoffausbreitung von