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Full text: Jahresbericht 1984

Meereskunde 
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2.2.3.2 Radioaktivität des Meeres 
Überwachung im Küstenbereich: 
Auf den Feuerschiffen "Borkumriff" und "Deutsche Bucht" wurden monatlich 
Wasser proben entnommen und auf ihren Gehalt an Strontium 90 und 
Cäsium 137 untersucht. 
Ein Anstieg des Strontium-90-Gehalts in der Deutschen Bucht, der bereits 
im letzten Quartal 1983 auftrat, konnte in Intervallen auch 1984 beoach 
tet werden. Aus dem Zeitpunkt des Durchgangs dieser Strontium-90-Fron- 
ten, die aus dem Kanal stammen und auf radiologischen Überwachungsfähr 
ten im Kanal und vor der belgischen Küste erkannt wurden, läßt sich die 
Geschwindigkeit errechnen, mit der das Strontium 90 in Richtung Deut 
sche Bucht verfrachtet wird. Die vorliegenden Meßergebnisse deuten auf 
eine mittlere Transportgeschwindigkeit von 1,8 Seemeilen pro Tag zwi 
schen Cap de la Hague und der Deutschen Bucht hin. Das würde bedeuten, 
daß eine im Wasser gelöste Substanz, die bei Cherbourg in das Meer ge 
langt, in etwa 8 Monaten die Deutsche Bucht erreicht. 
Die Aktivitätskonzentration von Cäsium 137 - um 20 mBq/1 — hat sich in 
der Deutschen Bucht gegenüber dem Vorjahr nicht geändert. Auch vor der 
Schleimündung sind der Strontium-90- und der Cäsium-137-Gehalt konstant 
geblieben. 
Die Aufzeichnungen der Gammastrahlen-Überwachungsgeräte, die kontinuier 
lich in Nord- und Ostsee messen, ließen keine Gefährdung durch radioak 
tive Stoffe erkennen. 
Großräumige radiologische Untersuchungen: 
Auf zwei Fahrten mit FS "Gauß" wurden die radiologischen Überwachungs 
aufgaben in Nord- und Ostsee mit Untersuchungen über das Vorkommen und 
die Ausbreitung von radioaktiven Spurenstoffen fortgesetzt. Insgesamt 
wurden auf über 250 Stationen mehr als 600 großvolumige Proben von Ober 
flächen- und Tiefenwasser entnommen. 
In der Nordsee wird der Aktivitätskonzentrationspegel an künstlichen 
Radionukliden nach wie vor von Cäsium 137 bestimmt, das aus der Kern 
brennstoff-Wiederaufbereitungsanlage Sellafieldworks von Norden her um 
die Nordspitze Schottlands herum einströmt. Dagegen ist die Zufuhr von 
Radionukliden aus dem Kanal weitaus geringer. 
Der Strontium-90-Gehalt hat im südlichen Teil der Nordsee zugenommen, 
aber zu keiner Gefährdung der Biosphäre geführt. 
Der Plutonium-Gehalt war in der Deutschen Bucht sehr niedrig und mit dem 
Gehalt im Atlantikwasser vergleichbar. In Richtung Kanal stieg er etwas 
an. Die höchsten Werte wurden vor der schottischen Ostküste gemessen. ' 
Die Ostsee-Überwachungsfahrt fand im Dezember statt.
	        
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