46 . Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1894.
An vielen Stellen wurden 4 bis 6 m Schnee aufgehäuft; Telegraphenpfähle und
Drähte verschwanden stellenweise im Schnee, und die telegraphische Verbindung
Orenburgs erlitt Unterbrechungen; vom 7. bis zum 16. Februar blieb Orenburg
ohne Post. Solche Schneeverwehungen sollen seit 1879 nicht vorgekommen sein.“
Nach der „Pilot Chart“ des hydrographischen Amtes in Washington scheint
der erste der erwähnten beiden grofsen Luftwirbel am 4. nahe von Norfolk, Va,
vom Festland auf den Ocean gelangt zu sein, und er hat sich am 5., an dessen Mittag
sein Centrum in 38° N-Br und 62° W-Lg lag, mächtig entwickelt, mit Windstärken
bis 12 und Barometerständen bis 746 mm, um darauf unter abnehmender Intensität
nach NO zu eilen (Lage am 6. 49° N-Br, 36° W-Lg). Das zweite Wirbelcentrum
lag am 9, mittags an der Südküste von Neufundland, am 11. schon westlich von den
Hebriden, unter etwa 13° W-Lg, am 12. morgens in Südnorwegen; auf dem Ocean
scheint es noch keine sehr große Entwickelung gehabt zu haben, seine Fortpflanzungs-
geschwindigkeit aber war eine sehr große: vom 9. bis 12. ca 4440km in 67 Stunden
oder 66 km in der Stunde (158 Myrm. in 24 Stunden, das Doppelte der normalen
Geschwindigkeit daselbst); in den folgenden 44 Stunden sank sie auf 1330 km
oder 30 km in der Stunde (73 Myrm. in 24 Stunden, wenig mehr als normal); am
Morgen des 14. lag das Centrum bei Vyätka.
Wie die Dauer, so sind auch die Ausdehnung dieses grofsen Sturmes und
seine schnelle Fortpflanzung höchst bemerkenswerth. In Grofsbritannien traten
seine Phasen kaum 24 Stunden früher ein als am Ural. In den Korrespondenzen,
welche das Märzheft von „Symons’s Monthly Meteorological Magazine“ bringt,
werden von vielen Orten Englands und Schottlands der 6., 7., 10., 11. und
12. Februar als Sturmtage genannt, ganz besonders aber der 11, als „schwerer
Sturm‘ oder als „Hurricane“ bezeichnet. W. K.
Der Sturm vom 22, bis 26. März d. J. auf dem
Nordatlantischen Ocean.
Ueber den Unfall, der den Bremer Lloyddampfer „Ems“ im
Sturm am 23. März d. J. getroffen hat, entnehmen wir der „Weser-Zeitung“
vom 14. April d. J. folgenden Bericht:
Der Kapitän des Schnelldampfers „Ems“ berichtet unterm 3. April aus
Horta, Fayal, über den diesem Dampfer zugestofsenen Unfall wie folgt: „Ver-
liefen Bremen am 17. und Southampton am 18. März nachmittags 3%4 Uhr und
passirten Needles um 5°%4 Uhr abends. In den ersten Tagen hatten unbeständiges
Wetter, allmählich schlechter werdend. Am 23. März befand sich Dampfer „Ems“
auf 44° 50' N-Br und 41° 50‘ W-Lg; es wehte ein schwerer Orkan aus NW mit
ungeheurem Seegange. Der Barometer zeigte 716 mm. Plötzlich, 11 Uhr 5 Minuten
vormittags, verspürten. mehrere ungewöhnlich schwere Stöflse der Maschine, und
gleich nachher wurde dieselbe gestoppt. Fanden, dafs die Welle in der Stern-
büchse gebrochen sein mufste, Schiff blieb quer vor Wind und See liegen und
rollte heftig. Ließen an vier Stellen luvwärts Oel auströpfeln und erreichten
damit, dafs keine Brecher an Bord kamen und das Schiff keine Beschädigung
durch Seeschlag erhielt. Das Schiff war dicht, mit Ausnahme der Achterpiek,
in welche infolge einer Verletzung der Sternbüchse Wasser eingedrungen war.
In den nächsten Stunden nahm der Wind allmählich ab, wehte aber noch mit
Windstärke 8 bis 10. Setzten Treibanker aus, jedoch mit keinem Erfolge.
Am Abend des nächsten Tages, eben vor Dunkelwerden, kam der Dampfer
„Rappahanock“ in Sicht, dem wir Nothsignale zeigten, und den wir aufforderten,
die „Ems“ ins Schlepptau zu nehmen. Derselbe blieb während der Nacht und
des folgenden Tages in der Nähe. Machten Schleppleinen fertig. Da das Wetter
aber nur wenig Besserung zeigte und an Aussetzen eines Bootes nicht zu denken
war, -8o- signalisirte ich ihm, dals wir ihm eine Leine zuschielsen könnten, und
hielt Alles fertig dazu. Im Laufe des 25. März kam ein zweiter englischer
Dampfer „Dago“ in Sicht, der uns Hülfe anbot, dem ich aber mittheilen mulfste.