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38. Jahresber. Dt. Hydrogr. Inst. 1983
Durch die Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden, die es ermöglichen,
die Quellen auch stark gealterter Ölverschmutzungen zu ermitteln und bei
einem Probenvergleich beweiskräftig den Verursacher festzustellen, wur
den die Möglichkeiten der Überwachung wesentlich erweitert.
Untersuchungen über die Ursachen der im Winter 1982/83 an der deutschen
Nordseeküste vermehrt aufgetretenen ÖlVerschmutzungen und das damit ver
bundene Vogelsterben zeigten, daß nicht - wie vermutet - die Bohrplatt
formen der mittleren Nordsee, sondern weit überwiegend Schiffe als Ver
ursacher anzusehen sind. In 118 von insgesamt 129 Proben wurden Brenn
stoff rückstände aus dem Schiffsbetrieb nachgewiesen.
Um das Ergebnis statistisch besser abzusichem und genauere Abschätzun
gen über die Gesamtzahl der verölten Vögel und die betroffenen Vogelar
ten zu ermöglichen, wurde in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Helgoland
ein zweijähriges Forschungsprojekt eingerichtet.
Von Juli bis Dezember belief sich der Anfall von Proben aus Verölungen
auf 152 mit einem deutlichen Schwerpunkt im November. Bisher wurde das
Ergebnis aus dem Winter 1982/83 bestätigt.
Mit Beginn der Flugüberwachung im deutschen Festlandsockelbereich im Ju
li wurden Hubschrauber und Schiffe der zuständigen Behörden mit Geräten
für die Entnahme von ölfilmproben ausgerüstet. Proben aus Ölverschmut
zungen, die im Kielwasser eines Schiffes entdeckt wurden, werden größ
tenteils direkt per Hubschrauber zum DHI gebracht. In den meisten Fällen
kann das Ergebnis der Voruntersuchungen (Typ der Verschmutzung) bereits
2 bis 3 Stunden nach Eintreffen der Probe den ermittelnden Behörden be-
bekahntgegeben werden, so daß gezielte Untersuchungen an Bord der ver
dächtigen Schiffe durchgeführt werden können. Durch Probenvergleiche war
es bisher möglich, in acht Fällen den Verursacher der Ölverschmutzung
nachzuweisen - insgesamt wurden 107 Proben (jeweils eine oder zwei Pro
ben einer Ölverschmutzung und mehrere Vergleichsproben von dem verdäch
tigen Schiff) analysiert.
Der Aufbau einer Datenbank wurde fortgeführt, in der die Analysenergeb
nisse von Rohölmustern und -Produkten sowie von auf Schiffen entnomme
nen Proben gespeichert sind.
Durch den großen Vorsprung unserer Analysenmethoden gegenüber den an an
derer Stelle angewendeten Verfahren ergab es sich, daß in Amtshilfe und
für Forschungsvorhaben der "Arbeitsgruppe zur meereskundlichen Untersu
chung von Ölunfällen" folgende Fälle bearbeitet wurden:
- Ölverschmutzungen im Hamburger Hafen
- Verölung eines Binnengewässers (Notfallhilfe)
- ölverschmutzungen an der arabischen Küste des Persischen Golfes
- Spätfolgen von Verölungen am Schwarztonnensand
- Ölverschmutzungen durch stillgelegte Tanker in der Geltinger Bucht
- Verölungen am Belumer Deich durch die Havarie der "Ever Level".
Bei einer zweiten weltweiten Interkalibrierung des ICES wurden in Um
weltproben die Konzentrationen von ca. 50 einzelnen Erdölkomponenten
bestimmt.
Ein Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes und des BMFT zum Thema