Meereskunde
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men. Die Messung dieser Proben soll dazu beitragen, den Transport von
Radionukliden, die aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie stammen,
nach Norden hin besser zu erfassen. Um die sehr geringe Aktivitätskon
zentration des Tritiums («0,1 Bq/1) im arktischen Tiefenwasser noch si
cher bestimmen zu können, wurde die Nachweisempflindlichkeit des beste
henden Analysenverfahrens diesem Konzentrationsbereich angepaßt.
Im vom BMFT geförderten Nordostatlantischen Monitoring-Programm (NOAMP)
wurden zahlreiche Wasserproben aus bis zu 16 verschiedenen Tiefenstufen
einschließlich der bodennahen Schichten entnommen und auf ihren Gehalt
an Cäsium 137 und Strontium 90 sowie einige auf Tritium und Plutonium
analysiert. Diese Untersuchungen erstrecken sich auf das 1967 einmalig
genutzte Verklappungsgebiet für schwach radioaktiven Abfall in der Ibe
rischen Tiefsee bei 42° bis 43° N, 14° bis 15° W, auf das z, Z. durch
einige eupropäische Staaten genutzte Seegebiet (45°50' N bis 46°10' N,
16° W bis 17°30' W) (die Bundesrepublik Deutschland versenkt nicht!) und
auf das Projektgebiet (46° N bis 48° N, 18° W bis 22° W). In diese Un
tersuchungen wurden Radioaktivitätsanalysen an Sedimenten mit einbezo
gen.
Im November/Dezember fand die jährliche Nordsee-Überwachungsfahrt statt.
Diese deckte vom Kanal her die südliche Nordsee ab und führte dann in 2
Parallelschnitten bis in das Skagerrak und im Westen entlang der schot
tischen Küste bis zu den Orkney-Inseln. Auf rund 100 Stationen wurden
insgesamt 180 Wasserproben - meist 50 bis 100 Liter - entnommen, in de
nen verschiedene künstliche Radionuklide bestimmt werden.
Überwachung im Küstenbereich:
Das Oberflächenwasser in der Deutschen Bucht und der westlichen Ostsee
wird mit Hilfe eines Strahlenmeßnetzes mit kontinuierlich registrieren
den Gammastrahlen-Überwachungsanlagen auf stärkere Radioaktivitätserhö
hungen kontrolliert. Die Aufzeichnungen dieser Meßanlagen ließen keine
Gefährdung durch radioaktive Stoffe erkennen. Es sind insgesamt 9 sol
cher Anlagen auf Feuerschiffen, frei fahrenden Schiffen, der Forschungs
plattform "Nordsee" und auf Helgoland in Betrieb. Da in Zukunft die Feu
erschiffe nach und nach durch automatische Großbojen ersetzt werden,
müssen die dort stationierten Strahlenüberwachungsanlagen ebenfalls auf
automatischen bzw. Fernbedienungsbetrieb umgestellt werden. Die dazu er
forderlichen Geräteerprobungen und Voruntersuchungen sind soweit abge
schlossen, daß Anfang 1984 das erste Gerät dieser Art auf der Großtonne
mit der vorgesehenen Position Fehmarnbelt eingesetzt werden kann.
Auf den Feuerschiffen "Borkumriff" und "Deutsche Bucht" wurden monatlich
Wasserproben entnommen und auf ihren Gehalt an Strontium 90 und Cäsium
137 untersucht. Die durchschnittliche Aktivitätskonzentration von Cäsium
137 mit Werten um 20 mBq/1 (0,5 pCi/1) liegt geringfügig niedriger als
im Vorjahr. Ausgeprägte Konzentrationsschwankungen traten dabei nicht
auf. Die Strontium-90-Aktivitätskonzentration stieg jedoch bei beiden
Feuerschiffspositionen von 20 mBq/1 im September auf 40 mBq/1 im Oktober
an und blieb im letzten Quartal konstant bei diesem Wert. Näherer Auf
schluß hierüber wird von der Auswertung der im Dezember beendeten Nord
see-Überwachungsfahrt erwartet. Die im Mai und Oktober vor der Schlei
mündung entnommenen Proben zeigten für Cäsium 137 und Strontium 90 nur
unbedeutende Abweichungen von denen des Vorjahres.