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35. Jahresber. Dt. Hydrogr. Inst. 1980
2.3.2.3 Zeitdienst
Die Rechenprogramme für den Zeitdienst wurden auf die Anlage des
Gemeinsamen Rechenzentrums umgestellt.
Neu programmiert wurde die Auswertung der Beobachtungen am Pho
tographischen Zenitfernrohr (PZT). Dabei sind bei der Berechnung
der scheinbaren Sternörter und bei Umwandlung der sphäri
schen Gestirnskoordinaten in die ebenen, rechtwinkligen Koordi
natensysteme von Photoplatte und Meßapparat strenge Reduktions
formeln zugrundegelegt worden. Die gemessenen Sternabbilder wer
den im Zuge des Programmablaufs automatisch identifiziert, wo
durch die Ausmessung der Phötoplatten vereinfacht wird und zü
giger erfolgen kann. Bei der Reduktion astronomischer Beobach
tungen hoher Genauigkeit sollen auf Empfehlung der Internationa
len Astronomischen Union ab 1984 die scheinbaren Sternörter nur
noch nach strengen Formeln berechnet werden.
Am PZT wurden in 118 Nächten 2913 Durchgänge von Fixsternen be
obachtet. Davon entfielen 2512 auf die 119 Programmsterne für
die Bestimmung der astronomischen Weltzeit und der momentanen
astronomischgeographischen Breite, der Rest auf 17 Zusatzster
ne, die später einen Teil der Programmsterne ersetzen sollen.
Als Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur internationalen
Bestimmung der astronomischen Weltzeit und Polbewegung wurden
die Ergebnisse der PZT-Beobachtungen wöchentlich dem Bureau
International de l'Heure (BIH), Paris, und dem Zentralbüro des
International Polar Motion Service in Migusawa, Japan, übermit
telt. Aus den PZT-Beobachtungen 1978,5 bis 1979,5 wurden die
Sternörter im eigenen Sternkatalog als Vorarbeit für die näch
ste Revision fortgesetzt.
Für die Berechnung der bisher nach halbgraphischen Verfahren ab
geleiteten Zeitskala UT2(DHI) und der mittleren Breite <j> (DHI)
für den Vierteljahresbericht wurde ein neues Re ebnerprogram
erstellt. Es dient der Ausgleichung von Reihen ungleichgewich
tiger, nicht äquidistanter Meßdaten.
Auf dem Dach des PZT-Gebäudes wurden drei Regendetektoren ange
bracht und an die Automatik zur Steuerung des Beobachtungsab
laufs angeschlossen. Seit April 1980 kann das Instrument auch
dann ohne Beaufsichtigung betrieben werden, wenn mit Nieder
schlägen gerechnet werden muß.
Die Bewahrung der koordinierten Weltzeit (UTC) stützte sich wei
terhin im wesentlichen auf zwei Caesium-Atomuhren. Zu Jahresbe
ginn mußte das Strahlrohr einer Uhr erneuert werden. Im übrigen
traten keine Störungen auf.
Die Präzisionszeitvergleiche mit der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB), Brauns.chwei g, dem Observatoire de Paris/
BIH, dem U.S. Naval Observatory und anderen Zeitdlenstinstitu
ten im Ausland nach dem "Fernsehverfahren", durch Phasenmessung
der Aussendungen des Loran-C-Senders Sylt oder durch Messung der
Normalfrequenz des Zeitmarkensenders DCF 77 wurden in gewohnter