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35. Jahresber. Dt. Hydrogr. Inst.1980
Von den Feuerschiffen "Borkumriff" und "Deutsche Bucht" wurden
monatlich Wasserproben entnommen und die Aktivitätskonzentration
von Cäsium 137 und Strontium 90 bestimmt. Im Vergleich zum Vor
jahr haben hier die Cäsium-137- und Strontium-90-Konzentrationen
durchschnittlich etwas abgenommen. Die Werte von Ruthenium lie
gen z. Z. noch nicht vor.
In der westlichen Ostsee wurden mit dem VFS "Komet" auf 21 Sta
tionen für radiologische Untersuchungen 39 Wasserproben und 6
Bodenproben entnommen. Es zeigte sich, daß im Tiefenwasser gene
rell etwas höhere Cäsium-137-Gehalte auftraten als im Oberflä
chenwasser. Diese wurden der Ostsee aus den tiefer liegenden Was
serschichten des Kattegats zugeführt. Die Strontium-9O-Könzentra-
tionen waren gegenüber dem Vorjahr in der Ostsee nahezu unverän
dert geblieben. Auch die Sedimentproben zeigten hier ein konstan
tes Aktivitätsniveau.
2.2.3.2.2 Großräumige radiologische Untersuchungen
Im Zusammenhang mit den radiologischen Überwachung sauf gaben des
DHI wurden die Untersuchungen über das Vorkommen und die Ausbrei
tung von radioaktiven Spurenstoffen in der Nordsee und den an
grenzenden Seegebieten fortgesetzt.
Auf der "Meteor"-Fahrt Nr. 55 erfolgte in der Zeit vom 22. Juli
bis 30. August 1980 eine engmaschige Aufnahme der Verteilung von
Radionukliden in der Nordsee, im Kattegat sowie in einem Strei
fen westlich der Orkney- und Shetland-Inseln. An 236 Stationen
wurden insgesamt 540 Proben von Oberflächenwasser und an 80 Sta
tionen Wasserproben aus verschiedenen Tiefen bis zu 1000 m ent
nommen, an denen die Aktivitätskonzentration von Cäsium 137 und
teilweise auch die von Strontium 90, Ruthenium 106, Antimon 125,
Cäsium 134, Plutonium 238, Plutonium 239+240, Americium 241 und
Tritium bestimmt wird. Ein großer Teil dieser Proben konnte auf
gearbeitet werden.
Bei der Überwachung der Ausbreitung von Radionukliden wird Cä
sium 137 als Leitnuklid verwendet, da es in erheblichen Mengen
in das Meer eingeleitet wird, seine Verbindungen gut löslich
sind, es sich infolge seiner Halbwertszeit von 30 Jahren über
lange Zeit gut nachweisen läßt und somit die Verfolgung groß
räumig ablaufender Vorgänge gestattet.
Wie die vorliegenden Meßdaten zeigen, sind die 1978 und 1979 vor
der schottischen Ostküste befindlichen höheren Cäsium-137-Kon-
zentrationen im Jahre 1980 durch Wasserkörper mit geringerer
Aktivität ersetzt worden. Die in den Vorjahren dort vorhandenen
erhöhten Konzentrationen haben sich in südöstlicher sowie in
östlicher Richtung mit abnehmenden Konzentrationen in der mitt
leren Nordsee bis in das Skagerrak und Kattegat hinein ausge
breitet. Der südliche Küstenstreifen der Nordsee sowie die Deut
sche Bucht wurden davon kaum beeinflußt. Hier werden die radio
logischen Verhältnisse weitgehend durch die Zufuhr von Wasser
massen aus dem Ärmelkanal bestimmt, die z. Z. sehr niedrige Ak
tivitäten mitführen.