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35. Jahresber. Dt. Hydrogr. Inst.1980
2.2.3 Stoffliche Umweltfragen
2.2.3.1 Chemie des Meerwassers
2.2.3.1.1 Meereschemische Arbeiten im Zusammenhang mit der Hoch
seefischerei
Die Ergebnisse des internationalen Fladengrund-Experiments (FLEX
*76) in der Nordsee wurden abschließend bearbeitet. Es zeigten
sich sehr interessante quantitative Zusammenhänge zwischen der
Phytoplankton-Entwicklung und den chemischen Veränderungen im
Wasser, vor allem beim Kohlendioxid und bei den Nährstoffen, so
daß sich unter bestimmten Voraussetzungen die chemischen Verän
derungen im Wasser zur Messung der Primärproduktion (Photosynthe
se) benutzen lassen. Bei ihrer Bestimmung mit der bisher übli
chen (an sich sehr guten) C-14-Methode wird radioaktiver Koh
lenstoff verwendet. Da der Umfang mit radioaktiven Nukliden
durch die neuen Strahlenschutzgesetze und Verordnungen stark er
schwert worden ist, bemüht man sich z. Z. um andere Methoden zur
Messung der Primärproduktion, womit sich auch der Internationale
Rat für Meeresforschung (ICES) in den zuständigen Komitees und
Arbeitsgruppen, eingehend befaßt hat.
2.2.3.1.2 Überwachung des Sauerstoff- und Nährstoffgehaltes in
der Deutschen Bucht und westlichen Ostsee
In letzter Zeit wurde wiederholt die Meinung vertreten, daß die
Einbringung von Abwässern aus der Titandioxid-Produktion in die
Deutsche Bucht zu einem Sauerstoffmangel im Meerwasser führe.
Das mit den Abwässern elngebrachte zweiwertige Eisen reagiert
mit dem Sauerstoff des Seewassers unter Bildung von dreiwertigem
Eisen, das als Oxidhydrat ausfällt. Da diese Reaktion relativ
langsam abläuft (Halbwertszeit etwa 40 Minuten) und die Verdün
nungsrate der Abfallsäure mit dem Meerwasser sehr hoch ist (min
destens 1 : 10 000 nach 1 Stunde), dürfte sich der Sauerstoff
verbrauch bei den z. Z. eingebrachten Mengen an Dünnsäure kaum
bemerkbar machen. Dies wurde durch Sauerstoffmessungen bei frü
heren Überwachungsfahrten bestätigt.
Im Juli 1980 wurde auf einer Überwachungsfahrt mit FS "Gauß" ne
ben physikalisch-ozeanographiseben Parametern der Sauerstoffge-
halt auf 34 Stationen im Einbringungsgebiet und dessen Umgebung
erneut gemessen. Der Jahreszeit entsprechend war die Temperatur
sprungschicht stark ausgeprägt. Sie lag im Einbringungsgebiet
zwischen 6 m und 18 m Tiefe. Oberhalb der Sprungschicht, wo die
Verdünnung und Oxidation der eingebrachten Fe(II)-haltigen Dünn
säure stattfindet, lagen alle gemessenen Sauerstoffwerte zwischen
105 % und 111 % der Sättigungskonzentration (Meßtiefe 5 m); in
20 m Tiefe und in Bodennähe (bei etwa 25 m Tiefe) lag der Sauer
stoffgehalt bei 67 % bis 80 % Sättigung. Diese Werte zeigen keine
signifikante Abweichung von den in der Umgebung des Einbringungs
gebietes gefundenen Werten (vgl. Abb. 3). In Richtung Küste nimmt
der Sauerstoffgehalt Im Bodenwasser zu, bedingt durch die besse
re Durchmischung bei geringerer Wassertiefe.