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35. Jahresber, Dt. Hydrogr. Inst. 1980
2.2.2.1.2 Auswertung von Meßergebnissen
Das hydrographische Datenmaterial, das während des Vorjahres auf
den drei Fahrten mit VFS "Gauß" und FK "Friedrich Heincke" gewon
nen wurde, konnte zum großen Teil aufbereitet und ausgewertet
werden. Erste Ergebnisse der beiden August-Fahrten während MARSEN
wurden bereits veröffentlicht. Sie lassen vermuten, daß die Vor
stellung von der "Konvergenz in der Deutschen Bucht" revidiert
werden muß. Anstatt nur einer deutlich ausgeprägten Front oder
Frontalzone existiert wahrscheinlich ein ganzes System von klei
neren Fronten. Die bisherige Vorstellung, daß sich die Wassermas
sen auf beiden Seiten einer Frontalzone schnell und einheitlich
vermischen, ist somit fraglich geworden. Es ist eher anzunehmen,
daß kleinere Wasserkörper (Ausdehnung 10 bis 30 km) über länge-
gere Zeit (2 bis 4 Wochen) relativ unvermischt erhalten bleiben.
Die Arbeiten über die Wärmebilanz der Nordsee wurden abgeschlos
sen und zur Veröffentlichung vorbereitet. Es konnte u. a. ge
zeigt werden, daß in den überwiegenden Teilen der Nordsee der
lokale Netto-Wärmeumsatz den Jahresgang der Temperatur der Was
sersäule und deren Schichtung bilanziert. Weiter ergab sich die
qualitative Aussage, daß die Nordsee im Jahresmittel Energie an
die Atmosphäre abgibt, die durch advektive Transporte - im we
sentlichen aus dem Europäischen Nordmeer - ersetzt wird.
Die Auswertung der optischen Meßergebnisse der "Gauß”-Fahrt in
die Deutsche Bucht im August 1979 ist abgeschlossen worden. Das
wichtigste Ergebnis ist die Darlegung folgender Möglichkeiten:
a) Man kann vier im Wasser vorhandene Stoffe (etwa: gesamter
Schwebstoff, Gelbstoff, Chlorophyll und organischer Kohlen
stoff) gleichzeitig flächenhaft bestimmen, wenn man die Spek
tren absolut geeichter Fernerkundungsscanner zur Berechnung
von Streulichtfarbkoordinaten ausnutzt und diese in Beziehung
setzt zu den entsprechenden (durch meeresoptische "sea-truth"-
Arbeit gewonnenen) linearen Korrelationen zwischen den Gehal
ten dieser Stoffe im Wasser und ihren Streulicht-Farbkoordina-
t en.
b) Das Entsprechende gilt für drei Stoffe, im Wasser und relativ
geeichte Scanner-Bilder.
Die Felderprobung des Prototyps eines auslegbaren Trübungsmessers
ist erfolgreich verlaufen. Damit sind die Entwicklungsarbeiten
an diesem Gerät abgeschlossen. In Zukunft sollen weitere ausleg-
bare Trübungsmesser dieser Art für größere Experimente zur Erfas
sung der Trübungsdynamik gebaut werden.
Mit der Software-Entwicklung für dasumfangreiche "Delphin"-Daten-
paket ist begonnen worden. Erste Auswerte- und Darstellungspro
gramme werden bereits benutzt.
Ein XBT-Schnitt durch den zirkumpolaren Wasserring der Antarktis
wurde dargestellt.
Die Temperatur- und Salzgehaltsbeobachtungen an den deutschen