Meereskunde
49
Anhand der ersten vorliegenden Meßdaten der Cäsium-137-Konzentration ist ein
Transport von Nordseewasser von der Südspitze Norwegens entlang der norwegi
schen Küste bis um das Nordkap herum zu erkennen. Auch in der Barentssee und
vor der Westküste Spitzbergens wurden Konzentrationen dieses Nuklids ange
troffen, die den Radioaktivitätspegel im Niederschlag wesentlich übersteigen und
die hauptsächlich auf den Auslaß aus der Wiederaufbereitungsanlage von Wind
scale (an der Irischen See) zurückzuführen sind. Eine Gefährdung der Biosphäre
ist durch die festgestellten Aktivitätskonzentrationen nicht gegeben.
Von den Proben aus der Nordsee liegen noch keine Meßergebnisse vor.
2.2.3.2.2 Überwachung der Radioaktivität im deutschen Küstenbereich
Die Registrierungen der Meßanlagen des Strahlenüberwachungsnetzes ließen im
Berichtszeitraum keinerlei Gefährdung durch radioaktive Stoffe erkennen.
Von den Feuerschiffen „Borkumriff" und „Deutsche Bucht" wurden 1978 und 1979
monatlich Wasserproben entnommen und auf ihren Gehalt an Cäsium 137 und
Strontium 90 untersucht. Es konnten einige Konzentrationsspitzen von Cä
sium 137 gemessen werden, die auf den kurzzeitigen Durchfluß von höher mar
kierten Wassermassen hinweisen. Inzwischen ging die Konzentration wieder auf
Werte von weniger als 1 pCi/1 (0,04 Bq/1) zurück. In der inneren Deutschen Bucht
ließen sich keine erhöhten Werte beobachten. Die Strontium-90-Konzentration ist
annähernd konstant geblieben.
In der westlichen Ostsee wurden 1978 auf 2 Fahrten insgesamt 14 Wasser- und
10 Bodenproben sowie 1979 mit VFS „Komet" in der westlichen Ostsee sowie im
Kattegat und Skagerrak auf 48 Stationen 101 Wasserproben aus verschiedenen
Tiefen (davon 23 aus der Ostsee) zur radiologischen Untersuchung entnommen.
Im Kattegat ließ sich 1979 eine Zunahme der Cäsium-137-Konzentration beobach
ten, während die Werte in der Ostsee selbst noch kaum verändert waren. Das
Strontium 90 sowie die anderen gemessenen Radionuklide zeigten annähernd
konstante Konzentrationswerte.
2.2.3.2.3 Entwicklung von Meßgeräten und Nachweisverfahren
Die Ärbeitsmöglichkeiten im Labor Sülldorf wurden durch die Beschaffung eines
4fach-a-Spektroskopie-Meßplatzes zur Bestimmung von Transuranen in Boden
proben erweitert. Ferner wurden die Arbeiten zum Aufbau einer Tritiummeßan
lage wieder auf genommen und stehen nun kurz vor dem Abschluß.
Die Erprobung der im DHI entwickelten Gammastrahlen-Spektrometersonde und
der Tiefsee-Brutto-Gammastrahlensonde wurde auf den „Meteor"-Reisen Nr. 47
und Nr. 52 durch Nulleffektmessungen und Nachweisgrenzenbestimmung in situ
beendet. Die Geräte stehen nun als Monitore zur Verfügung.
Wegen des bevorstehenden Ersatzes der Feuerschiffe durch automatische Groß
bojen ist die Umstellung der Strahlenüberwachung auf die Bedingungen dieser
neuen Geräteträger notwendig geworden. Es wurde daher zunächst ein entspre
chendes Versuchsgerät entwickelt und auf der Forschungsplattform „Nordsee" er
probt. Die Erprobungsergebnisse dienten der Spezifikation von automatisch ar