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33./34. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1978/79
über die Variationsbreite der Kohlenwasserstoff-Belastung, angefangen von den
wenig befahrenen Gebieten westlich Nord-Norwegens über den Grenzbereich
Atlantik-Nordsee bis zur nördlichen Nordsee, möglich sein, wo wegen der stei
genden Anzahl von Erdölbohrungen eine größere Verschmutzung angenommen
werden kann.
2.23,2 Radioaktivität des Meeres
2.2.3.2.1 Großräumige radiologische Untersuchungen
Die Untersuchungen über das Vorkommen und die Ausbreitung von radioaktiven
Spurenstoffen in der Nordsee und den nach Norden angrenzenden Seegebieten
wurden fortgesetzt.
Auf der „Meteor-Fahrt Nr. 47 erfolgte in der Zeit vom 31.1. bis 3.3.1978 eine eng
maschige Aufnahme der Verteilung radioaktiver Nuklide in der gesamten Nord
see, im Kattegat sowie in einem Streifen westlich der Orkney- und Shetland-In
seln. An 211 Stationen wurden Oberflächenwasserproben und an 53 Stationen
Wasserproben aus verschiedenen Tiefen entnommen. Von den 299 Proben wur
den die Cäsium-137-Gehalte bestimmt, von einem Teil der Proben die Gehalte an
Strontium 90, Ruthenium 106, Cäsium 134, Plutonium 238, Plutonium 239 + 240
und Americium 241. Diese Untersuchungen sind Teil des Programms zur ständi
gen Überwachung künstlich erzeugter Radionuklide in der Nordsee. Wie die
Meßdaten zeigen, sind aus der Irischen See in den Bereich der Orkney-Inseln
Wassermassen mit deutlich erhöhter Aktivitätskonzentration von Cäsium 137 in
die Nordsee eingedrungen: Vor der englischen Ostküste im Gebiet zwischen
58° N und 55° N wurden Aktivitätskonzentrationen von 12 pCi/1 bis 15 pCi/1
(0,44 Bq/1 bis 0,56 Bq/1) Cäsium 137 gemessen. Das sind mit Abstand die höchsten
Werte, die bisher in der Nordsee gemessen wurden. Sie stellen aber keine Ge
fährdung der Biosphäre dar.
Das aus dem Ärmelkanal in die Nordsee emströmende Wasser enthält deutlich
niedrigere Aktivitätskonzentrationswerte.
Das in der Nordsee vorhandene Plutonium stammt überwiegend aus Kembrenn-
stoff-Wiederaufbereitungsanlagen und nur zum geringen Teil aus dem Nieder
schlag. Das geht eindeutig aus den gefundenen Konzentrationsverhältnissen von
23spu zu 239/24op u hervor.
Vom 7.8. bis 20.10. 1979 wurden auf der „Meteor'-Fahrt Nr. 52 radiologische Un
tersuchungen im Europäischen Nordmeer westlich von Spitzbergen bis zur Eis
grenze nördlich 80° N sowie in der Barentssee, der Norwegischen See und in der
gesamten Nordsee ausgeführt. Dabei wurden 649 Wasserproben zur radiologi
schen Untersuchung entnommen. Die Messung der Proben aus den nördlichen
Bereichen soll dazu beitragen, das Vordringen radioaktiver Nuklide, die aus der
friedlichen Nutzung der Kernenergie stammen, nach Norden hin zu erfassen. Au
ßerdem wurden hier Proben entnommen, um Werte aus einem relativ unbelaste
ten Gebiet zu erhalten. Diese Werte werden als Bezugsstandard zur Beurteilung
von Proben aus stärker verschmutzten Gebieten benötigt. Die Arbeiten in der Ba
rentssee schließen die bisherigen Untersuchungen in den Jahren 1961 bis 1974 in
diesem Gebiet vorläufig ab.