Meereskunde
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2.2,3.1.2 Überwachung des Sauerstoff* und Nährstoffgehalts in der Deutschen
Bucht und westlichen Ostsee
Die durch die Flüsse in die Deutsche Bucht eingetragenen Nährstoffe (z. B. Phos
phat, Nitrat und Silikat) bewirken eine Eutrophierung des Wassers. Ist die Nähr
stoffzufuhr zu stark, z. B. in den Ästuaren von Elbe und Weser, so kann es in der
warmen Jahreszeit zur Massenentwicklung giftiger Planktonarten und anschlie
ßend zu Massensterben von Fischen usw. kommen. In der südlichen Nordsee ha
ben Niederländer und Engländer stellenweise sehr hohe Nährstoffkonzentratio
nen festgestellt. Da ähnliche Verhältnisse auch für die Deutsche Bucht zu erwar
ten waren, wurden während des 1. Fahrtabschnitts der „Meteor'-Fahrt Nr. 47 (17.
bis 26. Januar 1978) auf 57 Serienstationen Proben zur Analyse von anorgani
schem Phosphat, Gesamt-Phosphat, Nitrat + Nitrit und Silikat genommen.
Die Analysendaten zeigen, daß das von Westen her vor der Küste in die Deut
sche Bucht einströmende Wasser bereits stark mit Nährstoffen angereichert ist.
Eine weitere kräftige Erhöhung der Nährstoffkonzentration erfolgt in der inne
ren Deutschen Bucht durch Elbe und Weser (vgl. Abb. 5). Im Gegensatz zur war
men Jahreszeit nimmt die Nährstoffkonzentration im Winter vor der Küste von
Schleswig-Holstein nach Norden hin nur wenig ab. Die Ursache dafür ist die
dann geringe Aktivität des Phytoplanktons.
Bei dieser Fahrt wurde auch, ähnlich wie in den vergangenen Jahren, das Einbrin
gungsgebiet für Abwässer aus der Titandioxidproduktion untersucht. Die in den
Abwässern enthaltene Schwefelsäure (10 % H 2 S0 4 ) bewirkt im Einbringungsge
biet und in dessen Umgebung eine geringfügige Abnahme des pH-Wertes des
Meerwassers.
Als zusätzliche Größen wurden während der „Meteor"-Fahrt Nr. 47 Temperatur,
Salzgehalt, Alkalinität und Blaufluoreszenz des Meerwassers gemessen. Tempera
tur und Salzgehalt dienen zur Unterscheidung der in der Deutschen Bucht vor
kommenden Wasserkörper, z. B. zur Erkennung der Wasserfahne von Elbe und
Weser. An der Blaufluoreszenz kann man den Einstrom gelöster organischer Sub
stanz vom Festland ins Meer erkennen. Die Alkalinität wird, zusammen mit pH-
Wert, Temperatur und Salzgehalt, zur Berechnung des C0 2 -Systems benötigt.
Im August 1979 wurde gleichzeitig mit einer hydrographischen Aufnahme der
Deutschen Bucht der pH-Wert im Oberflächenwasser kontinuierlich registriert,
um Aussagen über das Ausmaß der Eutrophierung bzw. Hypertrophierung durch
den Einstrom von Flußwasser aus Elbe und Weser zu ermöglichen.
In der Ostsee tritt immer wieder, vor allem in den Sommermonaten, bedrohlicher
Sauerstoffmangel auf. Dadurch kann es zu Massensterben von Fischen und ande
ren Meeresorganismen kommen. Als weitere Folge entsteht in den tieferen Was
serschichten Schwefelwasserstoff, ein äußerst starkes Gift für alle Meeresorganis
men. Die Untersuchungen im Juni/Juli 1978 und im August/September 1979 erga
ben besonders niedrige Sauerstoffwerte (weniger als 10 % der Sättigungskonzen
tration) im Bornholmtief, 1979 auch im Tiefenwasser der Flensburger Förde, der
Eckemförder Bucht, der Lübecker Bucht und Im Fehmambelt. Im inneren Teil der
Flensburger Förde trat sogar Schwefelwasserstoff auf. Auf den Überwachungs
fahrten mit VFS „Gauß“ wurden außerdem Temperatur und Salzgehalt, pH-Wert
und ab 1979 die Konzentration von Nährstoffen bestimmt.