28
33734. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1978/79
dienst übermittelte wie in den Vorjahren Wasserstandsbeobachtungen von der
schottischen und englischen Ostküste.
Amtliche und private Stellen erhielten mündliche und schriftliche Auskünfte
verschiedenster Art. Praktikanten, Referendaren und anderen interessierten
Gruppen wurde durch Übersichtsvorträge ein Einblick in die Problematik der
Wasserstandsvorhersage und die Arbeitsweise des Dienstes vermittelt.
1978 wurden über den Rundfunk 16 Sturmflutwamungen ausgegeben; 1979 waren
es 8 Warnungen (Abb. 2).
Ein fester Empfängerkreis, dem bis zu 275 Behörden und Firmen im deutschen
Küstenraum angehörten, erhielt 1978 3070 Warnungen und 1979 1330 Warnungen.
Durch die Einführung genormter Warntexte und eines neuen Warnverteilers
konnte die Ubermittlungszeit für Sturmflutwarnungen wesentlich verkürzt wer
den. Eine Überprüfung der Übermittlungszeiten bei schweren Sturmfluten ergab
1979 eine Zeiteinsparung von etwa 50*Vo gegenüber dem früher praktizierten
Übermittlungsverfahren. Zusätzlich wurde die Möglichkeit geschaffen, bei
schweren Sturmfluten die Katastrophenleitstellen der Küstenländer vorab direkt
fernmündlich zu informieren und wichtige Daten auszutauschen. Dieses Verfah
ren hat sich bei der mit einer Ostseesturmflut verbundenen „Schneekatastrophe"
in Schleswig-Holstein im Winter 1978/79 gut bewährt.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst wurde gegen Ende des Jah
res 1979 damit begonnen, auch hydrodynamisch-numerische Modelle der Wasser
standsvorhersage im Routinebetrieb zu nutzen. Sie sollen über längere Zeit auf
ihre Verwendungsmöglichkeit im laufenden Dienst getestet und ihre Ergebnisse
mit denen der bisher verwendeten empirisch-statistischen Vorhersageverfahren
verglichen werden.
2.2.1.5 Seegang
2.2.1.5,1 JASIN 1978
Das DHI beteiligte sich von Juli bis September 1978 am , Joint Air Sea Interaction
Projekt" (JASIN). Dieses internationale Großprojekt war ein Teil des „Global At-
mospheric Research Programme" (GARP) und fand unter Beteiligung von Wissen
schaftlern aus Australien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Großbritan
nien, Holland, Irland, Kanada, UdSSR und USA im östlichen Nordatlantik in der
Nähe des Rockall-Plateaus statt.
Die Hauptziele des Experiments waren die Beobachtung physikalischer Prozesse,
die für Vermischungsvorgänge in der atmosphärischen und ozeanischen Grenz
schicht verantwortlich sind, sowie Untersuchungen zum Impuls* und Wärmehaus-
halt dieser Schichten imd zu den Energie- und Impulsflüssen durch die Meereso
berfläche. In diesem Zusammenhang sind Seegangsmessungen von wesentlicher
Bedeutung, da entscheidende Anteile der Energie- und Impulsflüsse von der At
mosphäre in das Meer nicht direkt, sondern vermittels des Seegangs auf das mitt
lere Strömungsfeld und auf die turbulenten Bewegungsvorgänge der durchmisch
ten ozeanischen Deckschichten übertragen werden.