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31./32. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1976/77
Eine auf deutschen Vorschlag erarbeitete Empfehlung über Leistungsnormen für
Magnetkompasse und ihre Aufstellung an Bord wurde auf der 18. Sitzung des
Unterausschusses „Sicherheit der Schiffahrt" der IMCO (Inter-Governmental Maritime
Consultative Organization) verabschiedet.
Im Mai 1976 tagte das Unterkomitee ISO/TC8/SC16 „Magnetkompasse" in Klekken
bei Oslo und im März 1977 in Rotterdam. Die in Klekken ins Leben gerufenen
Ad-hoc-Arbeitsgruppen „Vibrationen" und „Salzsprühtest" tagten imFebruar 1977
in Hamburg. Ein hier erarbeiteter Vorschlag über Anforderungen bei Vibrationsbeanspruchung
ist in Rotterdam angenommen worden.
2.5.3.2. Kreiselkompaß- und Fahrtmeßanlagen
Da die Prüfung von Kreiselkompaßanlagen wegen ihres extrem langsamen
Reaktionsverhaltens sehr viel Zeitaufwand erfordert und die Auswertung
der zugehörigen Analog-Registrierdaten recht arbeitsintensiv ist, stand die Automatisierung
der Meßdaten-Registrierung in digitaler Gestalt, die gesteuerte Eingabe
der Daten in Rechner und die programmierte Auswertung auf diesen im
Vordergrund.
In einer weiteren Ausbaustufe werden auch Meßdaten von Beanspruchungen, wie
z. B. durch Temperatur- und Magnetfeldeinflüsse sowie durch Bewegungsvorgänge,
in der Datenerfassungsanlage festgehalten. Ihre Digitalisierung und Anpassung
an das Erfassungssystem ist in der Entwicklung. Der Aufbau des programmierbaren
Steuersystems ist unter Einsatz eines Mikroprozessors zu einem
wesentlichen Teil abgeschlossen.
Neben einfachen statistischen Auswerteprogrammen wurde die Software zur
Analyse von Einschwingkurven erarbeitet und nunmehr bei allen Baumusterprüfungen
routinemäßig angewendet. Die hierbei gewonnenen Kreiselsystemparameter
sind auf der Basis eines mathematischen Modells die Voraussetzung
zur Berechnung der aus der jeweiligen Kreiselsystemstruktur und dem Verlauf
von Fahrtmanövern herzuleitenden systematischen Anzeigefehler. Für Einkreiselkompasse
wurde die Software zur Berechnung der durch Fahrtmanöver
bedingten Fehler erstellt.
Zur Vorbereitung zukünftiger Baumusterprüfungen wurden an Fahrtmeßanlagen
für integrierte Navigationssysteme auf einer Nord- und Ostseereise
von FS „Meteor" die von Kompaß, EM-Log, Doppler-Sonar-Log und Deccagerät
abgenommenen Daten simultan registriert und im Labor ausgewertet. Dabei wurden
die Daten der Fahrtmeßanlagen mit den Ergebnissen aus Ortungsfunkdaten
verglichen, speziell in bezug auf die Differenz zwischen Kurs über Grund und
Kreiselkompaß-Kurs.
Voruntersuchungen von Wendekreiseln der Binnenschiffahrt zeigten, daß
sie für die Navigation auf kleineren und mittleren Schiffen im Seegang ungeeignet
sind. Die starken Anzeigeschwankungen werden nicht vom Schlingern und
Stampfen des Schiffes verursacht, sondern vom Gieren. Zur Unterdrückung der
Seegangseffekte wurde versuchsweise ein elektronisches Filter mit stufenweise
einstellbaren Zeitkonstanten entworfen und an Bord mit befriedigendem Erfolg
erprobt.