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31./32. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1976/77
Alarmfall innerhalb kurzer Zeit die wichtigsten Nuklide mit einer für die Ein
leitung von Schutzmaßnahmen genügenden Genauigkeit zu messen.
2.3.8 Fachgebiet M 7: Geologie, Geochemie und Physik des Meeresbodens
2.3.8.1 Geologische Aufnahme des Meeresbodens in der Deutschen Bucht
Wie in den Vorjahren wurde an der geologischen Kartierung der Bodenbedeckung
der Deutschen Bucht gearbeitet. Ebenfalls fortgesetzt wurde die Erfassung der
Sedimentmächtigkeiten, die sich an die flächenhafte Seegrundkartierung an
schließt. Durch die Untersuchungen konnten die zunächst auf Interpretationen
der Sedimentverteilungsmuster beruhenden Vorstellungen über den geologischen
Aufbau des Meeresbodens in diesem Gebiet bestätigt werden.
Die Kenntnis der geologischen Entwicklung des Nordseeraumes ist wichtig, um
aktuelle Entwicklungstendenzen zu erkennen und mögliche Veränderungen und
Sedimentumlagerungen vorauszusehen. Dieser Aspekt hat in den letzten Jahren
zunehmend an Bedeutung gewonnen, seit die Nordsee als Rohstofflagerstätte und
als Baugrund für Fördereinrichtungen genutzt wird.
2.3.8.2 Untersuchungen über Alter und Herkunft grobklastischer Nordsee
sedimente
Zur wissenschaftlichen Vertiefung der reinen Bestandsaufnahme der Boden
bedeckung wurde im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) geförderten Forschungsprogrammes versucht, aufgrund der petrographi-
schen Zusammensetzung der Feinkiese Aussagen über Alter und Herkunft der
Nordseesedimente zu machen. Dazu wurden an 177 Nordseeproben ca. 50 000
Einzelkornbestimmungen durchgeführt und zusätzlich mit einer Anzahl Proben
aus dem schleswig-holsteinischen Küstenraum verglichen. Die Untersuchungen
gaben wichtige Hinweise auf das Alter der Ablagerungen und damit auf die erd
geschichtliche Entwicklung des Nordseebeckens.
2.3.8.3 „Meteor"-Fahrten
Während der „Meteor"-Fahrt Nr. 38 waren 1975 im Gebiet des Island-Färöer-
Rückens 1505 sm reflexionsseismische Profile mit Sparker und Air-Gun aufge-
nommen worden. Dieses umfangreiche Material wurde. 1976 und 1977 ausgewertet
und mit den Ergebnissen der magnetischen und gravimetrischen Vermessungen
verglichen. Die Basaltoberfläche, die im zentralen Rückenbereich am Meeres
boden ansteht, fällt ziemlich steil nach Südwesten und Nordosten ab. Die auf
lagernde Sedimentdecke ist im Nordosten viel mächtiger als im Südwesten, wo
sogar in einiger Entfernung vom Rücken bei einer Wassertiefe von ca. 1200 m der
Basalt noch einmal zu Tage tritt.
Die atlantischen Bruchzonen wurden auch während der „Meteor"-Fahrt Nr. 43 im
Seegebiet bei den Azoren untersucht. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des
Centre Océanologique de Bretagne wurde daran gearbeitet, die dort im An
schluß an die Bohrungen 332 und 333 der Glomar Challenger durchgeführten Ver
messungsarbeiten durch reflexionsseismische Messungen zu ergänzen und die
Verbreitung von Sedimentvorkommen zu erfassen. Es zeigte sich, daß mit einer