Meereskunde
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wasser nicht beobachtet werden (siehe Abb. 9). Insgesamt wurden 1976 637
Wasserproben von 50 1 bis 200 1 zur Bestimmung von Cs 137 und z. T. Sr 90 und
Ru 106, sowie 71 Proben für die Messung verschiedener Transuran-Nuklide und
Tritium entnommen.
In Ergänzung dieser Arbeiten führte das am RANOSP beteiligte Fisheries Radio
biological Laboratory in Lowestoft in Mai/Juni 1976 eine radiologische Gesamt
aufnahme der Nordsee und im Oktober entlang der britischen Ostküste zwischen
53° N und 60° N weitere Messungen durch.
Die großräumigen radiologischen Messungen wurden weitergeführt. Dazu kamen
Untersuchungen über das Vorkommen und Verhalten des Cs 137 und von Trans-
uran-Nukliden im Bereich des Kattegat und der westlichen Ostsee. Insgesamt
wurden für diese Untersuchungen 176 Wasserproben ä 50 1 aus der Nordsee und
127 Proben aus Kattegat und Ostsee entnommen.
Auch 1976 und 1977 waren Wissenschaftler des DHI an der Arbeit verschiedener
Expertengruppen der International Atomic Energy Agency (IAEA, Wien) und der
Nuclear Energy Agency (OECD/NEA, Paris) beteiligt. Dabei wurden mit der Ein
bringung radioaktiver Abfälle in das Meer zusammenhängende Fragen behandelt
(Festlegung von Versenkungsgebieten, Sicherheits- und Uberwachungsfragen, Er
stellung von Grenzwerten für die Einbringung radioaktiver Abfälle im Rahmen
der London-Konvention).
2.3.7.2 Überwachung des Meerwassers auf Radioaktivität
Die Registrierungen der Meßanlagen des Strahlenüberwachungsnetzes ließen
1976 und 1977 keinerlei Gefährdung der deutschen Küstenbereiche durch radio
aktive Stoffe erkennen.
Die von den Feuerschiffen „Borkumriff" und „Deutsche Bucht" monatlich ent
nommenen Wasserproben sowie 33 Wasser- und 13 Bodenproben aus der west
lichen Ostsee wurden auf ihren Gehalt an Radioisotopen untersucht.
Nach einem Anstieg der Aktivitätskonzentration des Cs 137 um etwa 35 °/o von
1975 auf 1976 im Wasser der Deutschen Bucht ist diese 1977 wieder auf den Stand
von Mitte 1970 zurückgegangen. Dies könnte darauf beruhen, daß seit 1975 vom
Centre de La Hague bei Cherbourg nur noch geringe Mengen Cs 137 im Abwasser
enthalten waren. Die Werte des Sr 90, die auch 1976 angestiegen waren, sind 1977
wieder auf den Stand von 1975 gefallen.
Die Proben aus der westlichen Ostsee zeigen im Vergleich mit den Vorjahren
weitgehend gleichbleibende Aktivitätskonzentrationswerte des Sr 90 und Cs 137.
2.3.7.3 .Entwicklung von Nachweisverfahren
Die Entwicklung von Schnellmethoden zum Nachweis verschiedener Radio
nuklide wurde fortgesetzt. Ein an anderer Stelle entwickeltes Nachweisverfahren
für Sr 90 wurde für unsere Zwecke modifiziert und auf seine Eignung im Routine
betrieb geprüft. Die bisher erforderliche Zeit von rund 3 Wochen bis zum Vor
liegen eines Sr-90-Meßwertes konnte damit auf rund einen Arbeitstag reduziert
werden.
Ebenso wurden die Nachweismethoden für die wichtigsten Radioisotope mit Hilfe
der Gammastrahlen-Spektroskopie weiter ausgebaut. Damit ist es möglich, im