Meereskunde
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2.3.1.3 Hydrodynamisch-numerische Untersuchungen
Um die wissenschaftlichen Grundlagen für Vorhersagedienste und Gutachten
sowohl für Gezeiten- als auch für windbedingte Restströme zu verbessern,
wurden zusammen mit der Abteilung Geophysik und Astronomie hydro
dynamisch-numerischen Modellr'echnungen begonnen. Erste Ergebnisse eines
numerischen Modells der Deutschen Bucht (Gitterabstand etwa 5 km) liegen vor.
Sie zeigen eine gute qualitative Übereinstimmung mit Meßergebnissen aus
diesem Seegebiet.
Ein in erster Linie mit diesen Aufgaben beschäftigter Mitarbeiter des Fachge
bietes Ml wurde zum Vorsitzenden einer Ende 1976 ins Leben gerufenen ad-hoc-
„Modellgruppe Nordsee" ernannt, die sich speziell mit Sturmflutmodellen be
schäftigt (vgl. Abschn. 2.4.5.2). In dieser Gruppe arbeiten Wissenschaftler ver
schiedener Hochschulinstitute und Behörden mit.
2.3.2 Fachgebiet M2: Hydrographische Zustandsgrößen
2.3.2.1 Forschungsfahrten
Während der internationalen Fladengrund-Expedition FLEX '76 wurde an Bord
von FS „Meteor" auf der Zentralstation (58° 55' N, 00° 32' E) von März bis Juni
1976 die vertikale Temperatur- und Salzgehaltsverteilung als Zeitreihe (ca. 6 Std.
Abstand) gemessen sowie die Stromscherung in Abhängigkeit von der Tiefe.
Ergänzt wurden diese Messungen durch Registrierungen verankerter Thermistor
ketten und Strömungsmesser in der Nähe der Zentralstation. Ziel der Unter
suchungen war, den Aufbau der sommerlichen Temperatursprungschicht in Ab
hängigkeit von den Wärme- und Impulsflüssen aus der Atmosphäre und von
advektiven Vorgängen (Strömung) zu erfassen.
Im Aug./Sept. 1976 wurde das VFS „Gauß" im Rahmen des Flugzeugmeßpro
gramms (FMP) des BMFT in der inneren Deutschen Bucht eingesetzt (vgl. Abschn.
2.3.6.4, 2.3.10 u. 2.4.9.4). Während der überfliegung des Testgebietes wurden
„Sea-Truth"-Messungen der Temperatur der Meeresoberfläche ausgeführt, um die
Möglichkeit routinemäßiger Anwendung von Fernerkundungsverfahren für die
Aufgaben des DHI zu untersuchen.
Während des FMP wurden die Terminfahrten in die Deutsche Bucht wieder auf
genommen, d. h. Fahrten, auf denen an vorgegebenen Stationen zu vorgegebenen
Terminen Messungen wiederholt ausgeführt werden. Zuletzt hatten sie Ende der
30er Jahre stattgefunden. Gegenüber den damals üblichen punktuellen Messun
gen ermöglicht die Ausrüstung mit modernen, selbstregistrierenden ozeanogra-
phischen Geräten eine quasi-synoptische Aufnahme, wie sie wegen der großen
Variabilität von Temperatur und Salzgehalt notwendig ist. Innerhalb des drei
Wochen dauernden Programms wurden drei Fahrten mit „Gauß" ausgeführt, um
die kurzzeitigen Veränderungen und außerdem die hydrographische Augen
blickssituation z. Z. der überfliegung (29. 9. 1976) besser zu erfassen. Zusätzlich
waren in der Deutschen Bucht an mehreren Positionen Strömungsmesser und
Thermistorketten verankert.
Die Terminfahrten in die Deutsche Bucht von je 8 bis 10 Tagen Dauer wurden mit
der „Friedrich Heincke" im Nov. 1976 sowie März, Juli, Sept., Okt. und Nov. 1977