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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

502 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1936, 
Mit der unvergleichlich geringen Summe von 450000 Pr. (unter Einsatz 
seines eigenen Vermögens, wofür er das Schiff in Auftrag gab) rüstete er das 
Schiff „Francais“ zu einer Expedition nach der“ Westseite von Grahamland aus, 
die er mit ausgezeichnetem Erfolg für die Geographie dieses überaus schwer 
zugänglichen Gebietes und reichen Ergebnissen aller Art durchführte?). Diese 
Ergebnisse zu sichern und weiter nach Westen auszubauen, gelang ihm durch 
eine zweite Überwinterungs-Expedition in die gleiche Gegend 1908 bis 1910 
mit dem neuerbauten Forschungsschiff „Pourquoi-Pas“ (einer Dreimastbark 
von 449 Tonnen, 42%, m Länge mit Hilfsmaschine von 450 PS)%). Ihre Er- 
gebnisse sind in einem umfangreichen wissenschaftlichen Werk niedergelegt. 
Sie selbst sowie die besonnene Kühnheit, womit beide Unternehmungen durch- 
geführt sind, sichern Frankreich eine geachtete Stellung innerhalb der Süd- 
polarforschung. | 
Nach seiner Rückkehr stellte Charcot sein Schiff dem Muse National 
d’Histoire Naturelle (Trocadero-Mus.) für ozeanographische Untersuchungen zur 
Verfügung, während er selbst die Leitung eines „Maritimen Forschungslaborato- 
riums“ zu Neuilly übernahm, als dessen schwimmende Außenstation das berühmte 
Forschungsschiff, nur mit Ausnahme des Krieges, unter Charcots wissenschaft- 
licher und z. T. nautischer Führung tätig war, und wovon die ozeanographische 
Erforschung des Nordatlantik und des Nordmeeres reichen Nutzen gezogen hat. 
Diese Fahrten sollen nur an Stichworten hier verfolgt werden: Das Arbeitsgebiet 
Charcots war 1911 der Kanal, 1912 Ostatlantik, Gegend von Island und Jan 
Mayen, 1918 die Gewässer westlich Spaniens und Irlands sowie die Nordsee, 
Nach dem Kriege finden wir Charcot mit seinem Schiffe 1920 in der Biskaya 
und im Kanal, 1921 bei Rockall und im Kanal. 
Von 1921 bis 1927 wurde außer allgemeinen ozeanographischen Messungen 
vorwiegend das Plankton sowie die Geologie des Meeresbodens untersucht. In 
diesem. Zeitraum wurden 2103 ozeanographische Stationen erledigt, darunter 215 
meeresgeologisch ausgewertete Züge, Die Arbeit erfolgte 1922 im Kanal, Nord- 
atlantik und bei den Färöern, 1923 im Ostatlantik und westlichen Mittelmeer 
bis Sizilien, 1924 im Kanal, der Irlandsee und bei den Färöern, 
1925 und 1926 beginnt mit zwei Vorstößen nach Island, Jan Mayen und 
Ostgrönland (Seoresby-Sund) erneut die Arbeitsrichtung sich zum Polargebiet 
zu wenden, wobei aber ÄAn- und Abmarsch weiterhin. zu systematischer Meeres- 
forschung benutzt werden, Nur 1927 und 1930 gehen die Fahrten in die Nord- 
und. Ostsee, in diesem Jahre auch in den Ostatlantik. 
1928 und 1929: Ostgrönland, Jan Mayen, Island, Atlantik westlich Spaniens. 
1981: Vorbereitende Fahrt nach Seoresby-Sund zur Einrichtung der fran- 
zösischen Überwinterungsstation im Rahmen des 2, Internationalen Polarjahres 
1932/88, 
ns und 19833: Absetzen und Wiederaufnehmen der französischen Polarjahr- 
Expedition. Charcot gelang bei dieser Gelegenheit 1933 die Erkundung der 
äußerst schwer zugänglichen Blosseville-Küste, die erst einmal zuvor, 1888 bis 
1890, durch Amdrup und Mikkelsen im offenen Ruderboot befahren worden 
war, ja sogar eine Landung &nm dieser Küste. 1934 geht Charcot aufs neue, 
unter ungewöhnlich schwierigen Wetter- und Eisverhältnissen, die zunächst das 
Erreichen der Küste unmöglich machten und das Schiff beschädigten, nach 
Secoresby-Sund und Angmagssalik, wo eine französische meteorologische und 
volkskundliche Expedition abgesetzt wurde. 1935 wurde diese Expedition wieder 
abgeholt. Hierbei wurden meereskundliche Forschungen, Echolotungen usw, bis 
zu Jan Mayen hinauf und im Bereich von Island ausgeführt, Sermilik und 
Tasiusak, zwei große Fjorde bei Angmagssalik, wurden eingehend erkundet, 
Die Aufgabe der Reise 1936, womit Dr. Charcot die „Feldarbeit“ zu 
beschließen gedachte, bestand in geopbysikalischen, biologischen und 0Zean0- 
graphischen Arbeiten sowie Lotungen vorwiegend zwischen Scoresby-Sund und 
1) J.-B. Charcot, Le „Francais“ au Pole Sud, Paris 1906, 
3 Jean Charcot, L6 „Pourquol-Pas‘ dans l’Antaretique 1908/10, Paris 1910.
	        
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