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29./30. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1974/75
In der Zeit vom 19. November 1973 bis 30. Mai 1974 wurden 129 gedruckte Eis
berichte und 48 gedruckte Eisübersichtskarten in einer Auflage von 350 Exem
plaren herausgegeben. 143 telefonische und 2 fernschriftliche Auskünfte wurden
erteilt. Zur Weiterverbreitung über Bildfunk erhielt das Seewetteramt Hamburg
wegen der außerordentlich schweren Eisbergsaison 51 Eisübersichtskarten des
Seegebiets um Neufundland; südlich 48° N wurden 1386 Eisberge gezählt, normal
sind 311 Eisberge.
Der Winter 1974/75 war im gesamten Nord- und Ostseeraum ebenfalls sehr eis
arm. Es war bereits der dritte aufeinanderfolgende Winter, der erheblich unter
dem Durchschnitt lag; an den Küsten der Bundesrepublik hatten seit 1896/97 nur
4 Winter noch weniger Eis. Das Eis trat an einigen Tagen des Februar 1975 im
inneren Teil des nordfriesischen Wattengebietes und in den inneren Buchten der
westlichen Ostseeküste auf.
In der Zeit vom 9. Dezember 1974 bis zum 16. Mai 1975 wurden 106 gedruckte Eis
berichte und 35 gedruckte Eisübersichtskarten in einer Auflage von 350 Exem
plaren herausgegeben. 121 telefonische Auskünfte wurden erteilt. Das Seewetter
amt erhielt zur Weiterverbreitung über Bildfunk 38 Eisübersiohtskarten vom See
gebiet um Neufundland.
Der Austausch der Eismeldungen mit den von der Vereisung betroffenen An
liegerstaaten der Nord- und Ostsee verlief wie in den vergangenen Jahren
reibungslos. Der Deutsche Wetterdienst übermittelte die Eismeldungen und
Wassertemperaturbeobachtungen über das Wetterfernschreibnetz und stellte
die auf genommenen Fotos der amerikanischen Wettersatelliten zur Verfügung.
Das Seewetteramt Hamburg beriet wie bisher den Eisnachrichtendienst meteoro
logisch.
Es ist beabsichtigt, ab Januar 1976 Eiskarten von der westlichen Ostsee und dem
Kattegat, sofern es nötig erscheint, auch über Bildfunk durch das Seewetteramt
zu verbreiten. Die dazu erforderlichen umfangreichen Vorbereitungen sind ab
geschlossen.
b) Auswertung der Beobachtungen
Die Eisbeobachtungen des Nord- und Ostseeraumes wurden wie üblich in die
Eiskartei übernommen und die Satellitenaufnahmen, soweit großräumige Eisge
biete abgebildet sind, kartographisch ausgewertet. Von den nördlichen Rand
meeren des Nordatlantischen Ozeans liegt seit 1966 ein umfangreiches Beob
achtungsmaterial vor, das hauptsächlich auf Satellitenaufnahmen beruht. Es
konnten ältere Kartendarstellungen des Eisvorkommens verbessert und erweitert
werden (bisher Grönlandsee und Barentssee).
Die Untersuchungen über die winterliche Abkühlungsgröße der Kieler Bucht
liefen weiter. Im Mittelpunkt stand die Auswertung der hydrographischen und
meteorologischen Beobachtungen, die in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet
M2 auf drei Forschungsfahrten mit dem VFS „Gauß" jeweils im Dezember der
Jahre 1972 bis 1974 gemacht wurden. Es wurden zunächst die parametrisierten
vertikalen Wärmeflüsse an der Wasseroberfläche bestimmt und die Änderung
des Wärmeinhalts der oberen 15-m-Wasserschicht ermittelt.