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29./30, Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1974/75
Die Hauptuhren des DHI und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB),
Braunschweig, wurden wie bisher nach dem „Fernsehverfahren" sowie durch
Phasenmessungen des Loran-C-Senders Sylt und des Langwellensenders DCF 77
täglich verglichen. Bezogen auf die weniger als 0,1 ßs unsicheren Fernseh-Zeit-
vergleiche zeigten die Vergleiche über DCF 77 langfristige Schwankungen. Die
Monatsmittel wichen während der letzten fünf Jahre jedoch nie mehr als 1 ßs
vom angenommenen Sollwert ab. Bei den täglichen Messungen betrugen die
größten Abweichungen im Höchstfall etwa 2 ßs.
Das DHI verglich seine Hauptuhr nach dem „Fernsehverfahren" außerdem regel
mäßig mit den Hauptuhren folgender Institute: Zentralinstitut Physik der Erde,
Potsdam, Institut für Radiotechnik und Elektronik, Prag, Satellitenbeobachtungs
station des Fachbereichs Höhere Geodäsie und Astronomie der Technischen Uni
versität Berlin.
In Zusammenarbeit mit der PTB und 'dem Potsdamer Zeitdienst wurde die Un
sicherheit von Fernseh-Zeitvergleichen bei Empfang eines Senders außerhalb
radio-optischer Sicht untersucht. Für die Zeitübertragung vom Sender Torfhaus
nach Potsdam über 180 km ergab sich eine Standortabweichung von 0,6 iis.
Indirekte Fernseh-Zeitvergleiche mit der PTB über Richtfunkstrecken des DDR-
Fernsehens zeigten im Verlauf eines Jahres Höchstabweichungen von 1 ßs.
Ein Meßtrupp des U. S. Naval Observatory besuchte das DHI mit einer transpor
tablen Caesium-Atomuhr am 19. August 1974 und am 10. Oktober 1975. Die mittels
Uhrentransport ermittelten Unterschiede in der Anzeige der beiderseitigen Haupt
uhren wichen von den über das Loran-C-System gemessenen um 0,1 ßs bzw,
0,3 ßs ab. Die Richtigkeit und Konstanz der angenommenen Laufzeiten und Ge
räteverzögerungen wurden damit durchaus zufriedenstellend bestätigt.
Der vierteljährlich erscheinende Bericht „Astronomische Zeit- und Breitenbe
stimmungen — Empfangszeiten von Zeitsignalen" wird von 1975 an mit erwei
tertem Inhalt unter dem Titel „Zeit- und Breitendienst" herausgegeben. Er ent
hält jetzt die Ergebnisse der Beobachtungen am PZT, die daraus abgeleiteten
Zeitsysteme UT1 (DHI) und UT2 (DHI), die geglätteten mittleren Breiten q> m
(DHI), die Monatsmittel der Empfangszelten von etwa 20 Zeitsignalen, bezogen
auf UTC, ferner ■— auf 0,1 us genau — die beim DHI gemessenen Phasenzeiten
des Loran-C-Senders Sylt und des Langwellensenders DCF 77 sowie die Zeit
differenzen UTC (DHI) — UTC (BIH) und UTC (DHI) — UTC (PTB). Der Bericht
wird an etwa 120 Stellen des In- und Auslandes versandt.
Die Phase der 1000-Hz-Ringleitung des Fernmeldetechnischen Zentralamts,
Darmstadt, würde täglich gegen die eigene Hauptuhr gemessen. Die Meßwerte
wurden dem Ferumeldetechnischen Zentralamt monatlich übermittelt.
c) Zeitkundgebung
Das DHI verbreitete im bisherigen Umfang Zeitsignale auf Seefunkfrequenzen im
Kurz- und Grenzwellenbereich über Sender in Elmshorn, Norddeich-Osterloog
und Kiel und strahlte Kurzzeitzeichen über die Sender des Deutschlandfunks und
im 1. Hörfunkprogramm des Norddeutschen und des Westdeutschen Rundfunks
aus. Wie in den Vorjahren wurde die Hauptuhr der Bundesbahndirektion Ham
burg-Altona synchronisiert: von ihr hängen alle Bundesbahnuhren sowie u. a.