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29./30. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1974/75
Die laufenden Seezeichenbeobachtungen der Vermessungs- und Forschungsschiffe
des DHI wurden weiterhin für Gezeitenstromuntersuchungen ausgewertet.
Zahlreiche Gutachten und Auskünfte wurden Schiffahrt, Behörden, Gerichten und
Privatpersonen erteilt.
3. Fachgebiet G3: Wasserstandsvorhersage- und Sturmflutwarndienst
Wie bisher wurde der Wasserstandsvorhersage- und Sturmflutwarndienst unter
wetterkundlidier Beratung durch das Seewetteramt des Deutschen Wetter
dienstes sowie unter Beteiligung mehrer Wissenschaftler der Fachgebiete G 1
und G 2 und der Abteilung Meereskunde wahrgenommen.
Das I. Programm des Norddeutschen Rundfunks und des Westdeutschen Rund
funks verbreiteten regelmäßig die Vorhersage der Hochwasserstände an der
deutschen Nordseeküste bei Emden, Bremen und Hamburg im Anschluß an die
Nachrichtensendungen um 09.00 Uhr und 22.00 Uhr. Radio Bremen brachte die
Vorhersagen anschließend an die Nachrichtensendungen um 10.00 Uhr und
22.00 Uhr auf der „Hansawelle" sowie um 09.00 Uhr im II. Programm. Ab
weichend davon wurde von 25. 5. 1975 an die Abendvorhersage zusammen mit
dem Seewetterbericht nach den 23.00-Uhr-Nachrichten gesendet. Der Deutsch
landfunk strahlte die Vorhersagen täglich gegen 01.05 Uhr und 12.05 Uhr
(12.40 Uhr vom 6. 10. 1974 an) im Anschluß an den Seewetterbericht aus. Die
Radarzentralen Knock, Bremerhaven und Cuxhaven sowie der Schiffsmeldedienst
in Hamburg erhielten regelmäßig Vorhersagen der Hoch- und Niedrigwasser
ihrer Reviere. Der Fernsprechansagedienst der Bundespost in Hamburg brachte
unter der Kurzrufnummer 11609 Sturmflutwarnungen für das Gebiet des Ham
burger Hafens und unter der Nummer 1155 die vorausberechneten Hoch- und
Niedrigwasserzeiten für Cuxhaven und Hamburg. Der Geophysikalische Bera
tungsdienst der Bundeswehr sowie die Wetterämter Bremen und Schleswig
erhielten Vorhersagen und Warnungen durch Fernschreiben.
An amtliche und private Stellen waren täglich mündliche Auskünfte verschie
denster Art sowie gelegentlich schriftliche Auskünfte und Gutachten zu erteilen.
Im Jahr 1974 wurden über den Rundfunk 29 Sturmflutwarnungen ausgegebeni
im Jahr 1975 waren es 19 Sturmflutwarnungen (Abb. 8),
Ein fester Empfängerkreis, dem 260 Behörden und Firmen angehörten, erhielt
im Jahre 1974 telegraphisch 3213 und im Jahre 1975 2412 Warnungen vor Sturm
fluten oder niedrigen Wasserständen.
Abb. 8. Sturmflutwarnungen und Sturmfluten in den Jahren 1974 und 1975. Die Pfeile
geben Zeit und Höhe der Warnungen an, die Balken den beim Pegel Hamburg-St. Pauli
eingetretenen Wasserstand. Warnhöhen und Wasserstände beziehen sich auf das örtliche
mittlere Hochwasser