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Full text: Jahresbericht 1974-1975

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29./30, Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1974/75 
Veteranen museumsreif geworden: Die erste deutsche Gezeitenrechenmaschine, 
die 1916 zum Einsatz kam, wurde im Sommer 1975 an das Schiffahrtsmuseum 
in Bremerhaven abgegeben. Für ihre Nachfolgerin — mit 62 Partialtiden die 
größte der Welt ■— wird noch ein ähnlich Würdiger Aufstellungsort gesucht. 
b) Besondere Arbeiten 
Bei Interpolationen und Approximationen erwiesen sich Spline-Funktionen als 
nützliche Hilfsmittel. Es wurden Programme für Spline-Funktionen 3. Ordnung 
von gleichabständigen Beobachtungen neu entwickelt und so geschrieben, daß 
lange Datenreihen schnell verarbeitet werden können. 
An 2 Beispielen wurde die Brauchbarkeit der Methode erprobt: 
1. Interpolationen halbstündlicher Wasserstände mit Spline-Funktionen stimm 
ten gut mit den Pegelaufzeichnungen überein; die Abweichung beträgt bei 
ruhiger Wetterlage im Mittel weniger als 1 cm. 
2. Aus den registrierten Wasserständen eines Lochstreifenpegels bei Stader 
sand (8 381 Werte im Abstand von 5 Minuten) wurden durch Spline-Funk 
tionen vollständige Tidenkurven approximiert und geplottet. Es ergab sich 
eine gute Übereinstimmung mit den aufgezeichneten Kurven des parallel- 
laufenden Schreibpegels Stadersand. 
Mit Hilfe von Spline-Funktionen wurden sodann folgende Untersuchungen an 
gestellt: Nach dem Beschickungsverfahren der Seevermessung, in welches mitt 
lere Hochwasserunterschiede und das Verhältnis der mittleren Springtidenhübe 
eingehen, wurden aus den im Sommerhalbjahr 1967 beobachteten Pegelaufzeich 
nungen von Cuxhaven und Helgoland die Gezeitenhöhen für Scharhörn ermittelt 
und mit den Aufzeichnungen des Pegels Scharhörn verglichen. Die Beschickung 
auf Cuxhaven ergab eine mittlere Abweichung von 8,6 cm (6,3 cm), auf Helgo 
land 13,5 cm (12,1cm); beide Beschickungen, gemittelt mit Gewichten, die den 
Entfernungen Cuxhaven — Scharhörn — Helgoland entsprechen, ergeben 8,2 cm 
(5,2 cm). In Klammern sind die mittleren Abweichungen angegeben, wenn nur 
die Beobachtungen oberhalb N. N., d. h. der obere Teil der Pegelkurven, unter 
sucht wurden. 
Die Berücksichtigung der verschiedenen Gezeitenunterschiede für Spring-, Mitt- 
und Nippzeit verringerte die mittlere Abweichung nicht. Auch eine Beschränkung 
auf Zeiten, in denen die benachbarten Feuerschiffe geringere Windgeschwindig 
keiten als 6 Bft. registrierten, brachte keine wesentliche Verbesserung. 
Eine entscheidende Verbesserung des Beschickungsverfahrens läßt sich erreichen, 
wenn man die unterschiedlichen Steig- und Falldauern von Bezugs- und Be 
schickungsort, wie man sie unseren Gezeitenkarten der Nordsee südlich 56° ent 
nehmen kann, in die Rechnung einbezieht. Die mittleren Abweichungen ergaben 
sich damit bei der Beschickung auf Cuxhaven zu 6,6 cm (5,2 cm), auf Helgoland 
zu 6,3 cm (6,0 cm), beim gewogenen Mittel der Beschickungswerte zu 5,2 cm 
(4,4 cm). Es zeigt sich also eine bemerkenswerte Verbesserung für die Beschik- 
kung auf Helgoland und allgemein diesmal für die Werte auch unterhalb N. N. 
Grundlage des harmonischen Verfahrens für Gezeitenuntersuchungen ist das 
gezeitenerzeugende Potential. Doodson hat 1921 das Potential berechnet, seine
	        
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