16
29./30. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1974/75
5. Nautischer Seewarndienst
Die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs stand im Mittelpunkt zahl
reicher Besprechungen einer Arbeitsgruppe, die sich aus Fachleuten des Bundes
ministers für Verkehr und des DHI zusammensetzte. Das Ergebnis, die Bekannt
machung über den Nautischen Warn- und Nachrichtendienst der Bundesrepublik
Deutschland, wurde im Verkehrsblatt des Bundesministers für Verkehr bekannt
gegeben und als Informationsschrift für die Seeverkehrsteilnehmer in einem Bei
heft zum Handbuch „Für Brücke und Kartenhaus" veröffentlicht. Gleichzeitig
wurden Richtlinien für die Zusammenarbeit der Wasser- und Schiffahrtsver
waltung des Bundes mit dem DHI festgelegt.
Der schwere Schiffsunfall im Englischen Kanal, in den auch das deutsche Motor
schiff „Brandenburg" verwickelt war, war einer der Gründe, ein verbessertes
koordiniertes Warnsystem im Bereich der nordwesteuropäischen Gewässer ein
zurichten, andern alle NSHC-Mitgliedstaaten beteiligt sind. Seit dem 1. April 1975
werden daher von allen beteiligten Staaten nautische Warnnachrichten auf
Grenzwelle (1605 kHz bis 3800 kHz) sechsmal in 24 Stunden verbreitet, gegenüber
einer bisher dreimaligen täglichen Ausstrahlung.
Hervorzuheben ist, daß bei besonders ernsten Fällen ein unterbrochener Ton von
2200 Hz der Warnung vorausgeht. Dieser Ton dringt durch jeden mit einem vor
geschalteten Filter versehenen Grenzwellenempfänger, der sich bei den ent
sprechenden ausrüstungspflichtigen Fahrzeugen auf der Brücke befindet. Die
folgende Wamnachricht trägt den Zusatz „vital", um auf die Gewichtigkeit der
Warnnachricht hinzuweisen. Ein koordinierter Sendeplan für die Ostsee ist von
allen Anliegerstaaten bereits vereinbart worden und wird Anfang 1976 in Kraft
treten. Durch seine aktive Teilnahme an den auf internationaler Ebene geführten
Gesprächen hat das DHI entscheidend am Zustandekommen der neuen Regelung
mitgewirkt.
In den Berichtsjahren 1974/75 wurden von der Seewarndienstzentrale 1027/861
Warnnachrichten über die Küstenfunkstellen und 4286/3993 Einzeldurchsagen
über Rundfunksender der Schiffahrt übermittelt.
6. Verzeichnis der Leuchtfeuer und Signalstellen
Als Neuauflagen erschienen 11 Bände im Jahre 1974 und 7 Bände 1975. Die Ge
samtauflage betrug 21 200 bzw. 17 500 Exemplare. Das deutsche Leuchtfeuerver
zeichnis enthält weltweit alle Leuchtfeuer und Leuchttonnen, die zur Ansteuerung
einer Küste oder eines Hafens erforderlich sind. Die Rationalisierungsmaßnahmen,
d. h. die Umstellung auf die einseitige Form, sind mit Ausnahme des Teils XI,
Stiller Ozean, O-Seite, abgeschlossen. Die Grenzen einiger Lfv-Teile wurden ge
ringfügig geändert.
7. Nautischer Funkdienst und Sprechfunk für Küstenschiffahrt
Die drei Bände des Nautischen Funkdienstes und der Band Sprechfunk für Küsten
schiffahrt wurden in den beiden Berichtsjahren durch je 12 Nachträge auf dem
neuesten Stand gehalten; sie enthielten 482 Austauschseiten im Jahre 1974, 501