Nautische Technik
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umfassenden Untersuchungen erstreckten sich über mehrere Monate (4 000 Be
triebsstunden) ; der ausführliche Prüfbericht wurde im Frühjahr 1973 abgeliefert.
Um die vielen bei Baumusterprüfungen anfallenden Meßdaten rationeller aus
werten zu können, wurden 3 Synchro-Toditerkompasse unter Verwendung von
Codierscheiben, optoelektronischen Bausteinen und inkrementalen Zählern als
Digital-Tochterkompasse aufgebaut. Ihr großer Nutzen liegt in der im Zeitzyklus
leicht steuerbaren Registrierung des numerischen Kurswertes bei den einzelnen
stets über etliche Stunden sich hinziehenden Prüfungsvorgängen. Zur präzisen
Festlegung der Beanspruchungsbedingungen in den jeweiligen Prüfgängen wurde
für den Antrieb des Rütteltisches eine leicht einstellbare Frequenzregelung, eine
digitale Frequenzanzeige und eine Meßeinrichtung für die Rütteltischwegampli
tude entworfen und gebaut. Auch die Plattform zur Simulation von Gierbewe
gungen erhielt einen geregelten Antrieb. Die grobmechanische Temperaturrege
lung der Klimakammer wurde durch eine elektronische Feinregelung ersetzt.
Die durch Verkündung der Schiffssicherheitsverordnung obligatorisch gewordene
und auf den Prüfungs- und Zulassungsbedingungen des DHI beruhende Baumu
sterprüfung von Kreiselkompaßanlagen wurde zuerst beim Typ Navigat I der
Firma Plath Ende 1972 abgeschlossen. Die Baumusterprüfungen der vorläufig zu
gelassenen Anlagen Navigat II, Standard IV und Standard VI sind 1973 begonnen
worden.
Das im Jahresbericht 1970/71 angeführte experimentelle Prüfverfahren, beim
Zweikreiselsystem ost-westliche Fahrmanöver durch periodische Variation der
Kreiseldrehstromfrequenz zu simulieren, führte zu theoretischen Untersuchungen
über Kursanzeigefehler, die durch das Zusammenwirken ost-westlicher und nord
südlicher Beschleunigungskomponenten hervorgerufen werden. Sie erbrachten
insbesondere Aussagen, nach welchen technischen Leitsätzen solche Fehler be
kämpft werden können. Weitere Studien befaßten sich mit der Frage der nur von
nord-südlichen Beschleunigungen abhängigen Kompaßfehler, nämlich des ballisti
schen und des Dämpfungsbeschleunigungsfehlers.
Die Untersuchungen sollen im Rahmen des projektierten integrierten Navigations
systems bei der Kreiselkompaßanlage auf FS „Meteor" Anwendung finden. Neben
dem Einsatz einer nach obigen Leitsätzen aufgebauten Kreiselkugel sollen die
linearen Fehler rechnerisch korrigiert werden, indem alle bis zu 5 h zurückliegen
den, durch ein Log erfaßten Fahrmanöver zur Fehlerberechnung herangezogen
werden.
c) Lichttechnische Geräte
Die Baumusterprüfungen von Positionslatemen, die Prüfungen von sonstigen
Signalleuchten für die Schiffahrt sowie die Musterprüfungen von Rettungslichtern
in Amtshilfe für die See-Berufsgenossenschaft wurden fortgesetzt.
Seit dem 1. Oktober 1972 ist das DHI auch mit der Zulassungsprüfung von Sig
nalleuchten für die Binnenschiffahrt beauftragt. Die Prüftätigkeit wurde aufge
nommen entsprechend der „Verordnung über die Farbe und Lichtstärke der Bord
lichter sowie die Zulassung von Signalleuchten in der Rheinschiffahrt und im
Geltungsbereich der Binnenschiffahrtsstraßen-Ordnung" vom 14. September 1972
(Bundesgesetzbl. I S. 1775) bzw. nach der analogen Verordnung für die Mosel-
schiffahrt vom 8. Februar 1973 (Bundesgesetzbl. I S. 84).