Geophysik und Astronomie
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halten Einrichtungen zur gegenseitigen Kontrolle auf einwandfreie Funktion.
Das Einfügen von Schaltsekunden erfolgt auch hier automatisch.
Im zweiten Halbjahr 1973 zeigte die Caesium-Atomuhr Störungen, die durch
Alterungserscheinungen des Caesium-Strahlrohres bedingt waren. Nach einer Be
triebszeit von 5 Jahren kann jedoch festgestellt werden, daß die tatsächliche Le
bensdauer des Strahlrohres wesentlich über dem Garantiewert von 1 Jahr (später
erhöht auf 3 Jahre) lag.
Die Atomuhr wurde zum Austausch des nunmehr verbrauchten Strahlrohres an
den Hersteller geschickt.
c) Geräte für den Empfang von Zeitsignalen
Der Loran-C-Empfänger wurde weiterentwickelt. Hauptergebnis dieser Arbeiten
ist ein wesentlich vergrößerter Fangbereich, was der Betriebssicherheit zugute
kommt.
d) Verschiedenes
Die Mitarbeiter des Fachgebiets waren an den nächtlichen Beobachtungen am
PZT sowie an Wochenenden und Feiertagen am Zeit- und Zeitmesserprüfdienst
beteiligt.
10. Fachgebiet G10: Meereis
a) Eisnachrichtendienst
Der Winter 1971/72 war an den Küsten der Bundesrepublik eisreich. Seit 1896/97
hatten an der Nordseeküste 24 Winter, an der Küste der westlichen Ostsee nur
16 Winter mehr Eis. Im gesamten Ostseeraum entsprachen dagegen Umfang und
Dauer der Vereisung dem langjährigen Durchschnitt.
Im norddeutschen Küstengebiet setzte die Eisbildung ziemlich spät, am 10.
Januar, ein. Die Vereisung dauerte in der Deutschen Bucht bis zum 22. Februar,
in der westlichen Ostsee schmolz das letzte Eis erst am 7. März ab. Der Höchst
stand der Vereisung wurde in der ersten Februardekade erreicht. Damals trat
sowohl in der Deutschen Bucht als auch in der westlichen Ostsee auf See Eis auf.
In den meisten Fahrwassern war die Küstenschiffahrt sehr stark behindert. Die
Großschiffahrt verlief normal.
In der Zeit vom 22. November 1971 bis 26. Mai 1972 wurden 128 gedruckte Eis
berichte und 47 gedruckte Eisübersichtskarten herausgegeben, in einer Auflage
von 350 Exemplaren. 590 telefonische und 8 fernschriftliche Eisauskünfte wurden
erteilt. Zur Weiterverbreitung erhielten: der Deutschlandfunk 33 Eisberichte, die
Küstenfunkstellen Norddeich- und Kiel-Radio 30 Eiswarnmeldungen, das See
wetteramt Hamburg wegen der extremen Eisbergsaison 72 Eisübersichtskarten
des Seegebiets um Neufundland (es wurden südlich 48° N 1584 Eisberge gezählt,
normal sind 207 Eisberge). Die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Kiel wurde ge
sondert beraten.