Geophysik und Astronomie
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versität Berlin. Am 20. Juli 1972 bestimmte die Deutsche Forschungs- und Ver
suchsanstalt für Luft und Raumfahrt, Braunschweig, mittels einer transportablen
Rubidiumuhr die Laufzeit für die Vergleiche mit der Berliner Satellitenbeobach
tungsstation.
Das U.S. Naval Observatory ließ wieder mittels einer transportablen Caesium-
Atomuhr die Signallaufzeiten zwischen Loran-C-Sendem und Empfangsstellen in
Europa bestimmen; das DHI wurde am 17. April und 14. Dezember 1972 sowie
am 11. Mai 1973 besucht. Das U.S. Naval Observatory und das BIH erhielten
monatlich eine Aufstellung der Emissionszeiten der Norwegischen See-Kette nach
Messungen des Loran-C-Senders Sylt bezogen auf die eigene Caesium-Atomuhr.
Regelmäßig wurden etwa 30 in- und ausländische Zeitsignale registriert und auf
das Zeitsystem UT2 (DHI) bezogen, das auf den Beobachtungen am PZT beruht.
Die Vierteljahresschrift „Astronomische Zeit- und Breitenbestimmungen, Emp
fangszeiten von Zeitsignalen" wurde an etwa 130 Stellen des In- und Auslandes
versandt.
Die Phase der 1 000 Hz-Ringleitung des Fernmeldetechnischen Zentralamts, Darm
stadt, wurde täglich gegen die eigene Hauptuhr gemessen. Die Meßwerte wurden
dem Fernmeldetechnischen Zentralamt monatlich übermittelt.
c) Zeitkundgebung
Seit dem 1. Januar 1972 wird Zeitsignalen und Normalzeitangaben des Deutschen
Hydrographischen Instituts die Internationale Atomzeitskala der Meterkonvention
zugrundegelegt. Diese nimmt sehr gleichmäßig zu, nämlich entsprechend der ato
maren Definition der physikalischen Sekunde, und eilt der gesetzlichen mittleren
Sonnenzeit voraus, weil die Erdrotation sich verlangsamt. Die Zeitangaben bleiben
an die mittlere Sonnenzeit gebunden dadurch, daß die Zeitsignale und Normalzeit
uhren im Bedarfsfall um genau 1 Schaltsekunde zurückgestellt werden. Die Zeit
signale erhalten außerdem einen Kode aufgeprägt, der ihre Abweichung von der
mittleren Sonnenzeit auf 0,1 Sekunden genau gibt, über die Kode-Korrektion
und die Zeitpunkte von Schaltsekunden entscheidet das BIH nach den Ergebnissen
des Schnelldienstes für Zeit Und Polbewegung. Schaltsekunden wurden am 30.
Juni und am 31. Dezember 1972 sowie am 31. Dezember 1973, jeweils um 24 Uhr
Mittlerer Greenwicher Zeit, eingefügt.
Das DHI verbreitete im bisherigen Umfang Zeitsignale auf Seefunkfrequenzen
im Kurz- und Grenzwellenbereich über Sender in Elmshorn, Kiel und Norddeich-
Osterloog. Kurzzeitzeichen wurden über die Sender des Deutschlandfunks und
im 1. Hörfunkprogramm des Norddeutschen und des Westdeutschen Rundfunks
ausgestrahlt.
Wie bisher synchronisierte das DHI die Hauptuhr der Bundesbahndirektion Ham
burg-Altona, von der sämtliche Bundesbahnuhren sowie u. a. die Uhrenanlagen
des Zweiten Deutschen Fernsehens und des Hessischen Rundfunks abhängen.
Gesteuert wurden ferner die zentrale Uhrenanlage des Norddeutschen Rundfunks,
Fernsehstudio Lokstedt, die Hauptuhr eines Hamburger Herstellers von Schiffs-
Chronometern und eine Quarzuhr der Freien und Hansestadt Hamburg, Baube
hörde, welche die Zeitansage im Telefonnetz der Hamburger Behörden synchro
nisiert.