Geophysik und Astronomie
63
Die Druckvorlagen für die „Gezeitenkalender 1974" wurden erstmalig auf einer
von Lochstreifen gesteuerten Schreibmaschine geschrieben. Dagegen mußten die
Druckvorlagen für die ausführlichen Vorausberechnungen der „Gezeitentafeln
1974" wie bisher noch von Hand geschrieben werden. Eine Erleichterung bedeu
tete es, daß etwa ein Drittel der im Tausch erhaltenen ausländischen Vorausbe»
rechnungen auf Lochkarten oder Magnetband eingingen, so daß mit dem Schnell
drucker der Rechenanlage die Manuskripte der Vorlagen automatisch erstellt
werden konnten.
b) Besondere Arbeiten
1973 war die neue Rechenanlage Honeywell 632 voll funktionsfähig (s. G5). Das
ermöglichte es, gemeinsam mit den Fachgebieten G5 und G3 eine Reihe größerer
Untersuchungen zu dem erhofften Abschluß zu bringen. Sie waren 1947 aufge-
nommen worden mit dem Ziel, die Gezeiten an der deutschen Nordseeküste, den
Windstau und das Zusammenwirken beider in einer Weise darzustellen, die sich
ebenso zur langfristigen Gezeitenvorausberechnung wie zur täglichen Wasser
standsvorhersage eignet. Eine Teillösung war bereits 1950 erreicht: Harmonische
Darstellungen der Ungleichheiten, die die Hoch- und Niedrigwasser 19jährigen
Beobachtungen gemäß in Zeit und Höhe aufweisen. Solche Darstellungen, deren
jede 38 signifikante periodische Glieder umfaßt, liegen den ausführlichen Vor
ausberechnungen für die deutschen Bezugsorte seit dem Jahrgang 1951 der Ge
zeitentafeln zugrunde.
Die höhere Genauigkeit der neuen Gezeitenvorausberechnungen gestattete es,
auch den Windstau genauer als bisher zu bestimmen, vorerst allerdings nur den
Stau zur vorausberechneten Hoch- und Niedrigwasserzeit. Diese beiden Stau
werte sind im allgemeinen auch bei gleicher Wetterlage merklich verschieden,
d. h. der Stau hängt nicht nur von der Wetterlage sondern auch vom Stande der
Gezeit ab. Die Wetterlage wird, was den Windstau betrifft, hinreichend gekenn
zeichnet durcih die Beobachtungen der Feuerschiffe „Borkum", „TW/Ems", „Deut
sche Bucht" und „Elbe 1". Der Stau folgt den gemittelten Feuerschiffsbeobachtun
gen mit einer Verzögerung von etwa 3 Stunden. 1965—69 wurde ein Ansatz ab
geleitet, der den Windstau durch die gemittelten meteorologischen Meßdaten,
darunter auch die Luft- und Wassertemperatur, ausdrückt. Die Ansätze für den
Stau bei Hoch- und Niedrigwasser unterscheiden sich nicht im Aufbau sondern
nur in den Werten der Koeffizienten, ähnlich wie es bei den Darstellungen der
astronomischen Ungleichheiten der Fall ist.
Die vorhergesagte Höhe zur vorausberechneten Hochwasserzeit ergibt sich hier
nach, indem man zur mittleren Hochwasserhöhe die vorausberechnete Ungleich
heit (38 periodische Glieder) und den Windstauansatz (20 Glieder) hinzufügt.
Entsprechend gilt nicht nur für die Höhe zur vorausberechneten Niedrigwasser
zeit sondern auch für die Höhe zu jeder angemessen definierten Zwischenzeit,
sofern man für sie die mittlere Höhe und die Werte aller Koeffizienten aus ^jäh
rigen Beobachtungen bestimmt, am besten simultan durch Ausgleichung nach der
Methode der kleinsten Quadrate. Das ist im letzten Abschnitt der Untersuchungen
zunächst für den Pegel Cuxhaven geschehen, und zwar für je 6 gleichmäßig über