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27.728. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1972/73
e) Untersuchungen zur Verschmutzung des Meeresbodens
Die seit 1971 laufenden Untersuchungen über die Möglichkeit einer lokal begrenzten
Deponie von Rotschlamm in der Nordsee wurden abgeschlossen.
Es zeigte sich, daß sich der Rotschlamm nach einer Verklappung von 5 000 t über
50 km 2 , nach 11 0001 über 120 km 2 und bei Abschluß der Verklappungen (15 0001)
über 250 km 2 verteilt hatte.
Auf zwei weiteren Kontrollfahrten, 7 und 12 Monate nach Abschluß der Verklappung,
wiesen die Sedimente noch immer einen erhöhten Eisengehalt auf,
obwohl Rotschlamm praktisch nicht mehr vorhanden war. Als weitere Änderung
gegenüber dem Grundzustand konnte eine deutliche Braunfärbung des Sandes
beobachtet werden. Daraus darf geschlossen werden, daß neben den reinen Transportvorgängen
für den Verbleib des Rotschlamms auch frühdiagenetische Prozesse,
die zu Lösungen und Fällungen von Eisenverbindungen führen, wichtig sind.
Mit den Abwässern der Titandioxid-Werke werden bereits seit 1969 andere
eisenhaltige Abfälle 14 sm nordwestlich Helgoland regelmäßig eingebracht,
umgerechnet etwa 33000 t Eisen jährlich in gelöster Form, das bei der
Einbringung als Eisenoxidhydrat ausfällt.
Mit dem Ziel, Kenntnis über das Verhalten auch dieser Schmutzstoffe zu gewinnen,
wurden in jedem Jahr an 120 Punkten der Deutschen Bucht Sedimentproben
genommen und auf ihren Eisengehalt hin untersucht. Trotz der nun schon jahrelangen
Einbringungen konnten Eisenanreicherungen auf dem Meeresboden bislang
nicht festgestellt werden. Nur bei extrem ruhigen Wetterlagen setzen sich nach
Verklappungen auf dem Meeresboden im Versenkungsgebiet Eisenoxidhydrat-Flocken
ab, die aber beim nächsten Seegang aufgewirbelt und verdriftet werden.
Um genauere Informationen über den Transportweg und Ablagerungsort dieser
hochmobilen Schmutzstoffe zu erhalten, muß offenbar das kontrollierte Gebiet
erweitert werden. Gezielte Untersuchungen dazu werden in nächster Zeit angesetzt.
Zur Klärung der Frage nach Transport und Verbleib von Schmutzstoffen,
die aus den Flüssen ins Meer gelangen, wurden Untersuchungen in Angriff
genommen, die sich mit den Schwermetallgehalten der Schwebstoffe in der
Hever-, Eider-, Elbe-, Weser- und Jademündung befassen. Dabei wurden an insgesamt
13 Stationen jeweils bei ab- und auflaufendem Wasser Schwebstoffe gewonnen
und im Labor untersucht. Resultat: Zwischen den einzelnen Regionen
bestehen Unterschiede in der Schwermetallführung, während zwischen den zeitlich
aufeinanderfolgenden Einzelproben einer Station keine Differenzen auftreten.
Insgesamt zeigen aber die Schwermetallgehalte eine deutliche Abhängigkeit von
den Anteilen organischer Substanzen und feinkörniger Komponenten in den
Schwebstoffen.
Gegenüber den geologischen Standardwerten (Mittel der Schwermetallgehalte in
fossilen geologischen Proben, deren Korngrößenzusammensetzung denen der
Schwebstoffe entspricht) sind in den Trübstoffen der Flußmündungen höhere Gehalte
von Zink, Kupfer und Cadmium festzustellen, während die Eisen-, Mangan-,
Kobalt-, Chrom- und Nickelgehalte den Standardwerten entsprechen.
Die im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Litoralforschung —
Abwasser in Küstennähe" ausgeführten Untersuchungen der Schwebstoffe
der Unterelbe (Hamburg — Cuxhaven) zeigten ebenfalls eine deutliche
Verknüpfung der Schwermetallgehalte mit dem Anteil an organischer Substanz.