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Full text: Jahresbericht 1972-1973

Meereskunde 
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Bei geeigneten Wetterlagen wurden gemessen: Windgeschwindigkeit und -rich- 
tung, Wellenhöhe und Periode, Wasserstand, Suspensionsdichte des vom Boden 
aufgewirbelten Sediments in verschiedenen Wassertiefen (1. integriert über meh 
rere Wellenperioden durch Pumpversuche und 2. mit der Wellenaufzeidmung 
synchron laufende Suspensionsbestimmung durch spezielle Trübungsmessungen) 
und Zusammensetzung des Bodensediments. 
Ziel der Arbeiten war die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Wellen 
intensitäten und Menge des aufgewirbelten Materials und zwischen der Korn 
größenzusammensetzung des Bodensediments und der in Suspension gegangenen 
Partikel. Fragen des quantitativen Materialtransports und der Korngrößenmi 
schung längs der Wanderwege sollen damit einer Lösung näher gebracht werden. 
c) Foraminiferen-Untersuchungen 
Die Annahme, daß sich Foraminiferen als Indikatoren für Bewegungsvor 
gänge des Sandes eignen, wurde durch die fortgeführte Auswertung des Pro 
benmaterials der Nordsee (vgl. Jb. 1970/71) weiter gestützt. Es zeigte sich nämlich, 
daß im Mittel nur etwa die Hälfte der lebend angetroffenen Arten Schalen er 
zeugt, die als Totfauna im Sediment wiedergefunden werden können. Der Pro 
zentsatz ist im feinen Sediment etwas höher, im gröberen niedriger. 
Bei dieser Betrachtungsweise lassen sich je nach der Festigkeit der Gehäuse 
mehrere Gruppen unterscheiden, von denen die widerstandsfähigsten und die 
leichtest zerstörbaren von besonderer Bedeutung sind. Die erstere Gruppe enthält 
transportfähige Formen und kann daher Aussagen über Herkunft und Transport 
des Sediments möglich machen. Die letztere Gruppe enthält Formen, die bei einer 
Sedimentbewegung zerstört werden. Ihr Vorhandensein gestattet damit die Fol 
gerung, daß keine wesentlichen Materialverlagerungen stattgefunden haben dür 
fen. Nach den Untersuchungen trifft dies für die Proben aus dem Areal des hoch- 
sortierten Feinsandes zu. 
Neben dieser qualitativen Auswertung zeigte auch die rein quantitative (d. h. 
artenunabhängige) Analyse des Lebend/Tot-Verhältnisses eine zunehmende Er 
haltungsfähigkeit der Foraminiferengehäuse, wenn man im Bereich des hochsor 
tierten Sandes vom gröberen zum feineren Material kommt. 
d) Methodische Untersuchungen 
Viele meeresgeologische Untersuchungen an der Grenzfäche Wasser/Meeresbo 
den setzen eine Bodenprobenentnahme voraus, bei der die Oberfläche 
möglichst ungestört ist. Zur Klärung der Frage, ob hinsichtlich der Erhaltung der 
Oberfläche der handliche Backengreifer dem schweren Gerät des Kastengreifers 
ebenbürtig oder unterlegen ist, wurden in der Nordsee auf 37 Stationen beide 
Geräte parallel eingesetzt. Die Oberfläche der gewonnenen Proben wurde auf 
ihre Foraminiferenführung und auf ihren Eisengehalt hin untersucht, auf zwei 
Parameter also, die empfindlich auf die Oberflächennähe ansprechen. 
Die Ergebnisse der Analysen waren bei Sedimenten, in die der Backengreifer gut 
eindringt (Feinsand, Schluff und Schlick), kaum unterschiedlich. Hier darf also der 
Backengreifer, der ein wesentlich schnelleres Arbeiten auf See gestattet, ohne 
Bedenken eingesetzt werden, sofern die gewonnene Probe pfleglich behandelt 
und herausgenommen wird.
	        
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