Meereskunde
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Bei geeigneten Wetterlagen wurden gemessen: Windgeschwindigkeit und -rich-
tung, Wellenhöhe und Periode, Wasserstand, Suspensionsdichte des vom Boden
aufgewirbelten Sediments in verschiedenen Wassertiefen (1. integriert über meh
rere Wellenperioden durch Pumpversuche und 2. mit der Wellenaufzeidmung
synchron laufende Suspensionsbestimmung durch spezielle Trübungsmessungen)
und Zusammensetzung des Bodensediments.
Ziel der Arbeiten war die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Wellen
intensitäten und Menge des aufgewirbelten Materials und zwischen der Korn
größenzusammensetzung des Bodensediments und der in Suspension gegangenen
Partikel. Fragen des quantitativen Materialtransports und der Korngrößenmi
schung längs der Wanderwege sollen damit einer Lösung näher gebracht werden.
c) Foraminiferen-Untersuchungen
Die Annahme, daß sich Foraminiferen als Indikatoren für Bewegungsvor
gänge des Sandes eignen, wurde durch die fortgeführte Auswertung des Pro
benmaterials der Nordsee (vgl. Jb. 1970/71) weiter gestützt. Es zeigte sich nämlich,
daß im Mittel nur etwa die Hälfte der lebend angetroffenen Arten Schalen er
zeugt, die als Totfauna im Sediment wiedergefunden werden können. Der Pro
zentsatz ist im feinen Sediment etwas höher, im gröberen niedriger.
Bei dieser Betrachtungsweise lassen sich je nach der Festigkeit der Gehäuse
mehrere Gruppen unterscheiden, von denen die widerstandsfähigsten und die
leichtest zerstörbaren von besonderer Bedeutung sind. Die erstere Gruppe enthält
transportfähige Formen und kann daher Aussagen über Herkunft und Transport
des Sediments möglich machen. Die letztere Gruppe enthält Formen, die bei einer
Sedimentbewegung zerstört werden. Ihr Vorhandensein gestattet damit die Fol
gerung, daß keine wesentlichen Materialverlagerungen stattgefunden haben dür
fen. Nach den Untersuchungen trifft dies für die Proben aus dem Areal des hoch-
sortierten Feinsandes zu.
Neben dieser qualitativen Auswertung zeigte auch die rein quantitative (d. h.
artenunabhängige) Analyse des Lebend/Tot-Verhältnisses eine zunehmende Er
haltungsfähigkeit der Foraminiferengehäuse, wenn man im Bereich des hochsor
tierten Sandes vom gröberen zum feineren Material kommt.
d) Methodische Untersuchungen
Viele meeresgeologische Untersuchungen an der Grenzfäche Wasser/Meeresbo
den setzen eine Bodenprobenentnahme voraus, bei der die Oberfläche
möglichst ungestört ist. Zur Klärung der Frage, ob hinsichtlich der Erhaltung der
Oberfläche der handliche Backengreifer dem schweren Gerät des Kastengreifers
ebenbürtig oder unterlegen ist, wurden in der Nordsee auf 37 Stationen beide
Geräte parallel eingesetzt. Die Oberfläche der gewonnenen Proben wurde auf
ihre Foraminiferenführung und auf ihren Eisengehalt hin untersucht, auf zwei
Parameter also, die empfindlich auf die Oberflächennähe ansprechen.
Die Ergebnisse der Analysen waren bei Sedimenten, in die der Backengreifer gut
eindringt (Feinsand, Schluff und Schlick), kaum unterschiedlich. Hier darf also der
Backengreifer, der ein wesentlich schnelleres Arbeiten auf See gestattet, ohne
Bedenken eingesetzt werden, sofern die gewonnene Probe pfleglich behandelt
und herausgenommen wird.