Meereskunde
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Nun muß eine kontaminationsfreie Separierung der verschiedenen Stoffklassen,
die in den Konzentraten vorliegen, erfolgen, weil sonst eine Identifizierung nicht
möglich ist. Die dazu erforderlichen Verfahren müssen eine hohe Trennleistung
mit hoher Empfindlichkeit verbinden. Die zu trennenden Gemische liegen in Kon
zentrationen von ca. 10- 8 g/cm 3 vor, die Menge des Konzentrates beträgt ca.
2—5 cm 3 . Außerdem müssen die dazu benötigten Hilfsstoffe reinigbar sein, Auf
dem Wege der Dünnschichtchromatographie ist die Trennung in Vorversuchen mit
Modellsubstanzen gelungen. Gegenwärtig wird das Verfahren an Seewasserpro
ben geprüft. Alternative Separationsverfahren, z. B. die Säulenchromatographie,
sind im Test.
Nach der Separation liegen die Proben wieder in zu geringer Konzentration vor
und müssen abermals kontaminationsfrei und vor allem auch verlustfrei konzen
triert werden. Substanzverluste, die bei diesen Schritten eintreten können, müs
sen verhindert werden, wenn das Ziel nicht nur eine gualitative, sondern gleich
zeitig eine quantitative Bestimmung ist.
Für die eigentliche Bestimmung der chlorierten Kohlenwasserstoffe wurde aus der
Vielzahl der analytischen Möglichkeiten eine Kombination von Gaschromatogra
phie mit der Dünnschichtchromatographie ausgewählt. Diese Kombination ist bei
den vorhandenen räumlichen und personellen Gegebenheiten die einzig durch
führbare. Der vorhandene Gaschromatograph wurde durch zahlreiche Umbauten
für das Arbeiten mit extrem niedrigen Konzentrationen hergerichtet. Im Laufe
der Zeit wurden verschiedene Detektoren für die Bestimmung der nun gaschroma
tographisch getrennten Einzelsubstanzen auf ihre Eignung geprüft. Für die gege
benen Verhältnisse erwies sich der K, NickeI-Elektroneneinfang-Detektor als der
brauchbarste.
4. Fachgebiet M6: Radioaktivität des Meeres
a) Nordseeprogramm
Die in den beiden Vorjahren durchgeführten Untersuchungen über das Eindrin
gen erhöhter Cäsium-1 37 - Aktivitäten in die Nordsee sowie über ihre Aus
breitung konnten in verstärktem Maße fortgesetzt und zu einem vorläufigen Ab
schluß gebracht werden. Die erhöhten Cs-137-Konzentrationen stammen von den
Abwässern der beiden Aufbereitungsanlagen für bestrahlte Kernbrennstoffe bei
Cherbourg und von Windscale in der Irischen See. Die abgegebenen Aktivitäts
mengen werden überwacht und bilden keine Gefahr für die Umwelt. Sie gelangen
im Süden durch die Straße von Dover und im Norden aus der Irischen See durch
den Pentland Firth in die Nordsee. Zur Untersuchung der Verlagerung des auf
diese Weise erhöht radioaktiven Wassers wurden auf 8 Fahrten mit den Schiffen
FS „Meteor“, VFS „Komet" und VFS „Gauß" zwischen dem Ärmelkanal und
59,5°N (nördliche Nordsee) 479 Wasserprohen (mit 50 Litern je Probe) entnom
men. Die Aufarbeitung dieser Proben erfolgte im Anschluß an die Fahrten im
Labor an Land. Auf „Meteor" konnten die Cs-137-Gehalte der Proben an Bord
bestimmt werden. Zum Teil wurden auch die Gehalte an Strontium-90, Cäsium-134
und Ruthenium-106 ermittelt.