Meereskunde
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Jahresbericht 4
verhindern, werden die Proben sofort auf See eingefroren. Hierzu wurde nach
unseren Angaben ein neuartiges Gerät von einer Spezialfirma entwickelt und
gebaut, das es ermöglicht, 6 Polyäthylen-Flaschen mit je 2 Liter Seewasser von
ozeanischem Salzgehalt in weniger als 30 Minuten vollständig durchzufrieren. Die
gefrorenen Proben werden dann in handelsüblichen Tiefkühltruhen gelagert.
über eventuell in den verwendeten Kunststoffmaterialien enthaltene Spurenver
unreinigungen an den gesuchten Schwermetallen waren von Industrie und Handel
keine verwertbaren Informationen zu erhalten. In einem eigenen Untersuchungs
programm wurde deshalb ein neues Verfahren zum schnellen und schonenden
Aufschluß verschiedener Kunststoffe für die Analyse durch Atomabsorption aus
gearbeitet.
Die vielfältigen Probleme, von denen hier nur ein Teil geschildert wurde, machen
es deutlich, daß bei der Spurenanalytik von schädlichen Schwermetallen
in Meerwasser auf absehbare Zeit der Schwerpunkt der Arbeiten auf der Ent
wicklung neuer Analysemethoden zur Verwendung im Labor an Land liegen
wird. Parallel dazu wird die Untersuchung von Seewasserproben zur gezielten
Überwachung der Deutschen Bucht und der westlichen Ostsee beginnen.
Vordringlich ist eine „Intercalibration", d. h. ein Vergleich der Metho
den auf nationaler und vor allem internationaler Ebene durch Analyse gleich
artiger Proben in sorgfältig geplanten Programmen.
Das Fachgebiet wirkte an derartigen Projekten mit, so 1971 bis 1973 innerhalb
der ICES-Arbeitsgruppe Nordsee-Verschmutzung; auch im Rahmen der deutsch
kanadischen Zusammenarbeit wird ein solches Programm vorbereitet. Im Novem
ber 1973 fand auf Einladung der International Atomic Energy Agency (IAEA) in
Monaco ein „Consultants Meeting“ zur Vorbereitung eines weltweiten Inter-
calibrations-Experiments durch Herstellung und Analyse von Referenzproben
(Meeresorganismen, Sedimente, Seewasser) statt.
Zu Beginn des Jahres 1972 führten Presseberichte über angebliche Gefahren durch
Arsenabfälle, die in den dreißiger Jahren in die Ostsee versenkt worden
waren, zu Anfragen verschiedener Bundes- und Landesministerien. Im Oktober
1972 wurden daraufhin auf einer Forschungsfahrt mit VFS „Gauß" Untersuchun
gen über den Arsengehalt im Meerwasser der westlichen Ostsee vorgenommen.
Dabei sind auf 13 Stationen von der Flensburger Förde entlang der deutschen
Ostseeküste bis zur Lübecker Bucht und von dort ausgehend auf einem Schnitt
bis in die Gewässer um Bornholm jeweils durchschnittlich 6 Wasserproben in
verschiedenen Tiefen unter speziellen Vorsichtsmaßnahmen (möglichst konta-
minationsfrei) geschöpft worden. In diesen Proben wurde sogleich an Bord der
Gehalt an Arsen (V) (Arsenat) bestimmt. Zusätzlich wurde an den gleichen Was
serproben einige Wochen später im Labor eine Kontroll-Analyse durchgeführt.
Zu Vergleichszwecken untersuchten wir auch noch im Labor mit der gleichen
Methode Nordseewasserproben von 16 Stationen in der Deutschen Bucht.
Die Ergebnisse der Bestimmungen in der westlichen Ostsee zeigten folgendes
Bild: Bei der Mehrzahl der Proben lagen die Arsen(V)-Konzentrationen unter der
Nachweisgrenze. Nur in relativ wenigen Fällen wurden höhere Arsen-Konzen
trationen in den untersten Schöpfern unmittelbar über dem Meeresboden gefun
den, die jedoch sehr gering waren (Abb. 9).