38
27,/28. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1972/73
DOD zunächst größere Mengen bereits vorliegender Meßdaten gesichtet, die bis
her nicht oder nur nach anderen Gesichtspunkten (z. B. für Gezeiten- und Rest
ströme) aufgearbeitet und analysiert worden waren.
Die Driftkarten - Aktion *) in der südlichen Nordsee wurde vorläufig abge
schlossen, obwohl immer noch einige der 1970/71 ausgeworfenen Karten gefunden
werden. Aus der systematischen Auswertung werden neue, für Fragen der Öl
verschmutzung wichtige Ergebnisse erwartet.
An zwei die gesamte Nordsee umfassenden Forschungsfahrten des VFS „Gauß"
zur Untersuchung der großräumigen Verteilung radioaktiver Spurenstoffe (vgl.
Abschn. 4) waren im April/Mai und im Oktober 1973 Wissenschaftler der Fach
gruppe Meeresphysik beteiligt, um die günstige Gelegenheit zur quasi-synopti
schen Aufnahme der Temperatur- und Salzgehaltsverteilung zu nutzen. Durch
Einsatz von gewöhnlichen und „Einweg"-Bathythermographen („XBT") konnten
im Bereich der nördlichen Nordsee auch die Bodentemperaturen erfaßt werden,
ohne zusätzliche Stationszeit zu beanspruchen. Die Daten wurden jeweils auf
dem Funkwege nach Hamburg übermittelt, um dort in den regelmäßig erschei
nenden synoptischen Wochenkarten (s. u., Abschn. c) mit verarbeitet zu werden.
In Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet „Meereis" (vgl. Abschn. V. 10.) begann
das Fachgebiet „Hydrographische Zustandsgrößen" Ende 1972
eine Reihe von Fahrten mit VFS „Gauß" in die Kieler Bucht, die im Frühwinter
1973 wiederholt wurden: Einerseits will man aus häufigen, intensiven Messungen
von Temperatur- und Salzgehaltsverteilung sowie Strömungen Aussagen über
die Abkühlungsgröße gewinnen; zum anderen soll aus der raum-zeitlichen Ver
änderlichkeit dieser Daten abgeschätzt werden, inwieweit die am Leuchtturm
Kiel ständig registrierten Werte für die weitere Umgebung repräsentativ sind.
Zur Ergänzung dieser Untersuchungen konnte das DHI im Oktober 1973 während
einer Forschungsfahrt des WFS „Planet" in die Ostsee Registriergeräte auslegen
und wieder aufnehmen.
1972 wurden insgesamt 74 Strommesser (davon 45 auf der Dauerstation) und 11
Hochseepegel ausgelegt, im folgenden Jahr 75 Strommesser (33 auf der Dauer
station), 5 Hochseepegel und 4 Thermistorketten. In diesen Zahlen sind auch die
Messungen während der unter a) erwähnten Expeditionen enthalten.
Zur vollständigen und rascheren Aufbereitung der Strommessungen und Bathy-
sondenmessungen wurde inzwischen eine umfangreiche Programmbiblio
thek erarbeitet und auf der hauseigenen Rechenanlage in Betrieb genommen.
Um die Vorteile dieser Auswertemethode auch bei älteren Messungen nutzen zu
können, wurden sämtliche vorliegenden Strömungsmessungen bis zurück zum
Jahre 1960 auf Magnetbänder übertragen. Da die Programme auch graphische
Darstellungen („plots") umfassen, wird in Zukunft die Zeitspanne von der Mes
sung bis zur Herstellung druckfertiger Diagramme und Tabellen erheblich redu
ziert werden können.
Das Material früherer Diffusionsversuche wurde bearbeitet und neue
Methoden entwickelt (vgl. Abschn. d). Im Juni/Juli 1973 wurde vom VFS „Gauß"
östlich der Doggerbank ein Diffusionsversuch ausgeführt. Im Gegensatz zu den
früheren Versuchen an der Meeresoberfläche wurde diesmal die Lösung des Test-
j Vgl. 25726. Jahresbericht 1970/71, S. 34.