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27.728. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1972/73
II. SEEVERMESSUNG
1. Allgemeines
Am 31. Oktober 1973 trat nach langjähriger verdienstvoller Tätigkeit der Leiter
der Abteilung S (Seevermessung und Seekartenwerk),Ltd.Reg. Dir. Hans Ermel in
den Ruhestand. Mit seiner Nachfolge wurde Reg. Dir. Karl Ansorge beauftragt
Für den mittleren Dienst in der Seevermessung wurden während der Winter
liegezeiten 1972/73 und 1973/74, jeweils in der Zeit von Dezember bis Februar,
9 Matrosen der Forschungs-, Vermessungs- und Wracksuchschiffe zu Seevermes
sungstechnikern ausgebildet. Außerdem absolvierten 2 Bedienstete des Wasser-
und Schiffahrtsamtes Hamburg diesen Fachlehrgang mit Erfolg.
Der Einsatz der DHI-Schiffe wurde auch im Sommer 1972 und 1973 für jeweils
3 Wochen unterbrochen, um den Besatzungen Urlaub während der Schulferien
zu ermöglichen. Eine Urlaubsregelung ohne Unterbrechung des Schiffseinsatzes
ist z. Z. nicht möglich, da nicht genügend Ersatzpersonal zur Verfügung steht.
Die Ortsbestimmung bei Vermessungsarbeiten im Küstenbereich wurde durch
neue Hi-Fix-Ketten weiter verbessert: Die Emsmündung konnte 1972 mit Hilfe der
niederländischen Hi-Fix-Groningen-Kette vermessen werden; für Lotungsarbeiten
im Bereich der Jade und Wesermündung steht seit dem Sommer 1973 die Hi-Fix-
Jade-Kette zur Verfügung.
Das im November 1971 von einer dänischen Bootswerft an das DHI gelieferte
7 m-Versuchsboot aus Polyester mit Strahlantrieb konnte inzwischen mehrfach im
Bereich der Wattvermessung eingesetzt werden. Die Erprobung ergab, daß diese
Konzeption bei der Flachwasservermessung in den Wattgebieten gegenüber den
sonst üblichen Schraubenantrieben erhebliche Vorteile hat. Als technisch unzu
reichend erwies sich jedoch der hierbei verwendete Strahlantrieb; die Betriebs
sicherheit und der Bedienungskomfort reichen für den Einsatz im Routine-Betrieb
noch nicht aus.
Der Betrieb des 1949 in Dienst gestellten Vermessungs- und Forschungsschiffes
„Gauß" (Baujahr 1941) erfordert ständig höhere Aufwendungen für Reparaturen
und Instandhaltung. Dabei entspricht dieses Schiff immer weniger den Anforde
rungen, die an ein zweckmäßiges Forschungsschiff gestellt werden müssen. Seit
geraumer Zeit werden Überlegungen angestellt, wie und in welcher Form das
VFS „Gauß" durch einen Schiffsneubau ersetzt werden kann. Hierzu begann 1972
die Firma Dornier-System gern. § 7, Abs. 2 der Bundeshaushaltsordnung mit einer
Nutzen-Kosten-Untersuchung, deren Ergebnis jetzt vorliegt.
2. Maritime Geodäsie und geodätische Berechnungen
Für die Seevermessung, die nautische Kartographie und für andere Dienststellen
wurden außer Koordinatenumrechnungen folgende Arbeiten ausgeführt: Berech
nung von geographischen Koordinaten im ED-System für Grenzpunkte des deut
schen Festlandsockels und Begrenzung von Konzessionsgebieten; Erstellen von
Hyperbelkarten.
Das Programm-Archiv der druckenden elektronischen Tischrechenmaschine Diehl
Combitron S wurde 1972 um 11 und 1973 um 5 auf nunmehr 126 Programme er
weitert.