Stndienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonnieer.
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führung der Südküste ist auch bei Coats noch nicht klar. Neues bringt er über die Ost
küste, und zwar die Bucht nördlich vom Mount Shaddock (Sherrick), die Bucht südlich
von Kap Jones, den südöstlichen Verlauf der Küste vom Point of Portland ab. Am interessan
testen ist die Festlegung und Beschreibung des heutigen Richmondgolfs: den nicht über 3,7 km langen,
schmalen Eingang nannte Coats Gulph of Hazard (indianisch: Qua - qua - clieek - a - wan oder Quaqua-
chichrwan-it swallows quickly), den eigentlichen Richmondgolfsee: Artiwinipecksee. 99 ) Erstmalig ist die
Schilderung der Höhenverhältnisse der Küsten, allerdings noch ohne Zahlenangaben. Dabei werden die
Eckpunkte, weil Landmarken für den Blick des Seemanns, besonders scharf hervorgehoben: Die Kaps:
Esquimaux, Churchill, Lookout, Tatnam, Henrietta Maria, Comfort, Mount Shaddock, Jones, Point of
Portland (Portland-Vorgebirge), Smith, Digges, Nesdrake, Pembroke, Shark-Point, Carys Swan-Nest
und Southampton. Große Sorgfalt wandte Coats auch der Besprechung der Inseln zu: Die West-
und Gst-Pens vor der Westküste erwähnte er zum ersten Male, und von der reichen Inselwelt der
Jamesbai gab er infolge der ausgezeichneten Genauigkeit in den Lagebestimmungen das erste wirklich
klare Bild. Einige wenige wurden neu von ihm benannt: In der Nähe von Kap Jones die Sundry-
Inseln in 55° 50' n. Br., die hohe Insel Bill of Portland, weiter nördlich Merrys Insel (nach einem
Herrn des Kommittees), nordöstlich der Mündung des Little Whale River die hohe Bibyos-Insel, die
sich von 58—59° n. Br. nahe der Küste hinziehende Inselkette der Holmes of Hopewell, die kahle Insel
gruppe Düble Dozens (vor dem Point of Portland) mit Limehouse und Ratcliff (zur Erinnerung an
«eine Heimat), schließlich nördlich von Kap Smith in 60° 47' n. Br. die Four Usquemows. Als erster hob
Coats die Wichtigkeit der Schiffahrtskanäle zwischen den Inseln und dem East Main hervor, den einen
vor dem Gulf of Hazard nannte er Richmond Channiles. Wegen ihrer Tiefe hielt er sie wirtschaftlich
für sehr wertvoll, namentlich für den Handelsverkehr mit den Eskimos. Eine gute Fahrt in einem
kleinen Boote von Kap Digges bis zum Slude River erschien ihm durchaus möglich. Auch erkannte und
entdeckte er gute Häfen: Phips Hafen auf den Struttons, den Hafen Decoy (von ihm benannt) bei Kap
Smith, mehrere brauchbare Häfen unter den Inseln bei Kap Jones, den Hafen Georges Point, etwa 90
km östlich von Gaskitt. Sehr beachtenswert sind auch allerhand praktische Winke, die Coats
für Segelfahrten im Hudsonmeere gab: Zwischen Kap Comfort und der Wood-Insel (17 km nördlich
von Kap Comfort) sei die beste Einfahrt in den Noddawai hinein; der Albany sei oberhalb der Mün
dungsuntiefen ein schöner, schiffbarer Strom mit wenig Schnellen; durch Benutzung zweier Bäche auf
der Halbinsel nördlich von York könne der Point of Marsh vermieden werden; eine Inselgruppe (spä
ter Seal-Inseln benannt) und ©in Fall schlössen die Schiffahrt im Nelson ab, doch könnten Kanus über
den Fall gleiten und somit den folgenden, viele Kilometer langen, guten Schiffahrtskanal weiter auf
wärts benutzen.
Trotz der vorwiegend wirtschaftlichen Einstellung fehlte Coats nicht 'der Sinn für die herbe
Schönheit mancher Landschaft am Hudsonmeere. Packend ist die Schilderung des unvergleichlichen
Artiwinipeck mit seinen herrlichen, erhabenen Wäldern, Felsenbildungen, Kaskaden, deren Wirkung
durch die Kahlheit der Eingangsufer noch erhöht werde; und gleich einem Garten erschien ihm die
fruchtbare Umgebung der Moose-Faktorei.
Die Schilderung des Hinterlandes des Hudsonmeers ist bei Coats, ganz im Gegensatz zu der aus
gezeichneten Darlegung der Küstenverhältnisse, trotz seiner Behauptung, er fuße auf völlig glaubwürdi
gen Aussagen, eben weil die unmittelbare Anschauung fehlt, noch ganz in den irrigen Vorstellungen
und Meinungen der Zeit befangen. (Beziehung des Churchills zum Winipeggon -e -sepe; Nelson und
Hayes ein Strom usw.)
Weniger umfassend als der Bericht des Kapitäns Coats, mehr als eine Fortführung der Ellisschen
Schilderung sind zu betrachten die Arbeiten von 2 Angestellten der Hudsonbaigesellschaft. Robsons
’’Account of 6 years’ residence in Hudson’s Bay“ (1733—36 und 1744—47), erschienen 1752, und Ed.
Umfrevilles Schrift: „Gegenwärtiger Zustand der Hudsonbai“ vom Jahre 1791. (U. war 1771—82 im
M ) Coats erwähnt nicht, daß der See Artiwinipeck die „neu entdeckte See“ früherer Forscher ist. Er gibt
56° 22' n. Br. an, also eine südlichere Lage als Eilis und andere. (58 bzw. 59° n. Br.)