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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Der Ursprung der atmosphärischen Elektricität. 
entwickelt wurde, wird allmählich zur Erde abgeleitet, und deshalb kann auch 
ein Gewitter vorläufig nicht zustandekommen. Erst nachdem ein kalter Nord- 
ostwind dem Südwestwinde begegnet, infolge seiner specifischen Schwere die 
tiefste Lage einnimmt und den Südwestwind in die Höhe treibt, wird die 
alektrische Leitung zwischen dem letzteren und der Erde aufgehoben, weil der 
Nordostwind wegen seines geringen Wassergehaltes ein Isolator ist. Der Nord- 
ostwind strömt dann zwischen zwei entgegengesetzt elektrischen Schichten durch 
und kann bei dieser Gelegenheit an den sich reibenden Flächen Wirbel her- 
vorrufen, welche durch Influenz und Transport die Elektricität vermehren. Aber 
wenn letzteres auch nicht geschieht, so wird doch im Südwestwinde durch das 
Eindringen des kalten Luftstromes die Kondensation des Wasserdampfes ver- 
mehrt, was auch gleichzeitig eine Verdichtung der Elektricität bedingt, und 
letztere strömt nun nicht mehr zur Erde hinab, sondern wird durch fortgesetzte 
Kondensation so lange verdichtet, bis sich ein Gewitter gebildet hat, Wird 
ein Südwestwind durch Gebirge in höhere Bahnen gelenkt, so treten dieselben 
Erscheinungen ein, vorausgesetzt, dafs die untere Luftschicht dann kalt und 
trocken ist. Die Gewitterbildung an Bergabhängen, welche den Sonnenstrahlen 
ausgesetzt sind, sowie durch das Eindringen kalter Luftströme in feuchte warme 
Luftströme ‚ist so allgemein bekannt, dafs ich es für überflüssig halte, specielle 
Beispiele anzuführen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs selbst bei feuer- 
speienden Bergen und bei der Hydroelektrisirmaschine die Elektricitätsentwickelung 
mehr durch. Influenz und Transport vor sich geht, als durch Reibung, denn das 
Vorzeichen der Dampfelektrieität ist verschieden und hängt von der Beschaffen- 
heit der Ausströmungsöffnung ab. Auch bin ich der Ansicht, dafs bei den Influenz- 
elektrisirmaschinen, wenigstens bei denjenigen, welche nur eine aus einem Tsolator 
gefertigte Scheibe haben, die Elektricität zum gröfsten Theil durch die mit- 
gerissene Luft übertragen wird. 
Feuchtigkeit und Wärme begünstigen im Allgemeinen die Elektrieitäts- 
entwickelung, die Feuchtigkeit deshalb, weil in ihr die Vertheilung rascher vor 
sich geht, die Wärme, weil sie die Trennung der elektrischen Schichten bewirkt. 
An warmen windstillen Nachmittagen kann man häufig lange Ketten von Haufen- 
wolken über den Bergkämmen beobachten, des Abends rücken sie dichter und 
dichter an einander und gehen in geschichtete Haufenwolken über. Am andern 
Morgen ist dann der Himmel wieder klar und dieselbe Erscheinung wiederholt 
sich meist mehrere Tage hinter einander, Der Himmel überzieht sich endlich 
mit einem weifslichen Gewölk, er bekommt ein milchiges Ansehen, was stets 
als ein Zeichen ‘hochelektrischen Zustandes jener Dunstschichten anzusehen ist, 
und die Cumuli werden mächtiger und ‚verwandeln sich in Gewitterwolken, 
Leise Lüfte, welche an solchen Nachmittagen wehen, sind meistens nur lokale 
Strömungen, theils durch Wärme an den Bergabhängen, theils durch elektrische 
Repulsivkraft der Wolken hervorgerufen. Ist eine nur Schwach elektrische 
Schicht mit Wasserdampf gesättigt, so kann daraus ein Gewitter hervorgehen, 
wenn die vorhandene Elektricität verdichtet wird. Letzteres geschieht durch 
Kondensation der Wasserdämpfe und durch Ueberströmen der Elektricität auf 
tiefer schwebende Wolken. Je höher die Spanzung einer .Wolke ist, desto 
stärker wird sie von der Erde angezogen, und je mehr sich beide nähern, desto 
mehr nehmen die elektrischen Potentiale zu. Elektrische Wolken würden 
zur Erde herabsinken, wenn nicht mit vermehrter Spannung Abstofsung der 
einzelnen Massen und daraus resultirende specifische Leichtigkeit eintreten 
würde. Ist eine Wolke mit einer höheren, sehr umfangreichen Dunstschicht in 
leitender Verbindung, so strömt die Elektricität aus letzterer zur ersteren so 
lange über, wie noch eine Potentialdifferenz. vorhanden ist. Es ist erklärlich, 
dafs dabei die Spannung in der Wolke am gröfsten sein mufs, erstens weil sie 
kleiner als die Dunstschicht ist, und zweitens weil sie sich näher bei der Erd- 
oberfläche befindet, nach welcher die Elektricität ein Bestreben hat, über- 
zuströmen. Wird nachher die leitende Verbindung zwischen Wolke und Dunst- 
schicht unterbrochen, so schwebt die Wolke isolirt in der Luft und die 
Elektrieität wird dann durch Kondensation und tieferes Herabsinken verdichtet, 
Vermehrung der Elektrieität findet dann nicht mehr statt, sondern nur Ent- 
Jadung; Blitze, Stürme und Regenschauer dienen alle zur Verbreitung der sich 
entfesselnden Naturkraft über benachbarte Dunstmassen und die Krde. 
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