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25./26. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1970/71
') Vgl. 24. Jahresbericht 1969, S. 64.
Mängel aufmerksam gemacht werden. Acht Magnetkompaß-Selbsteueranlagen wur
den zur Baumusterprüfung vorgestellt, keine konnte zugelassen werden. Die Her
steller wurden bei der Konstruktionsverbesserung beraten. Nach den notwendigen
Änderungen konnten bisher drei dieser Anlagen von der See-Berufsgenossen
schaft für die Verwendung auf deutschen Schiffen zugelassen werden; zwei Anla
gen mußten zurückgewiesen werden.
Bei diesen Prüfungen arbeitete das DHI eng mit dem Germanischen Lloyd zu
sammen.
Bei der halbautomatischen Magnetkompaßprüfung mit Magnetfeld-Abtastsonden
treten Meßfehler auf, wenn der Pinnenauflagepunkt des zu prüfenden Kompasses
exzentrisch zur Drehachse des Prüfstandes liegt. Diese Fehler wurden durch ein
zelne Messungen untersucht und rechnerisch als Funktion der Sondenlage erfaßt.
Daraus ergab sich, daß die beim DHI verwendete Anordnung in dieser Hinsicht
optimal ist.
b) Kreiselkompasse
Im Mittelpunkt der Arbeit stand im Jahre 1970 die Prüfung und Erprobung der
horizontstabilisierten Kreiselkompaßanlage PL 41 der Firma C. Plath. Es standen
zwei Versionen mit etwas unterschiedlichen Kreiseltypen zur Verfügung. Da struk
tureller Aufbau und Technologie der Anlage von den bisherigen Methoden der
Kreiselkompaßtechnik erheblich abweichen, mußten Art und Umfang der einzelnen
Prüfvorgänge stark ausgeweitet werden. Die vielfältigen, durch mannigfache Schalt
eingriffe an der Anlage erzeugten Funktionsabläufe stimmten überein mit den aus
dem kreiseldynamischen Grundkonzept und der elektronischen Signalverarbeitung
theoretisch hergeleiteten Erwartungen. Die Prüfung der Kursanzeigegenauigkeit
der Anlage unter Fahrtmanöver-Beanspruchung erfolgte, wie bei früheren Unter
suchungen, auf Autobahnen bei hohen Fahrtgeschwindigkeiten. Hierbei konnte das
Prüfverfahren selbst so weit verbessert werden, daß die Meßunsicherheit, mit der
der jeweilige Kursanzeigefehler in der Fahrt auf Grund der bekannten Straßen
azimutwerte festgestellt wurde, weniger als 0,1° beträgt. Der umfangreiche Prüf
bericht wurde im Frühjahr 1971 abgeliefert.
Vor wenigen Jahren wurde bekannt, daß Kreiselkompasse ohne kardanische Auf
hängung des Kreiselsystem-Innenteils hergestellt werden. Für diese würde die
Schaukelbahn unseres Prüffeldes, bei der die Plattform nur rein translatorische
Bewegungen mit einer Periodendauer von 7 bzw. 10 Sekunden ausführt, keine
dynamische Beanspruchung darstellen. Daher mußte die Funktionsweise der
Schaukelbahn erweitert werden: Nun können auch gleichperiodische Drehschwin
gungen (ca. ±12°) der Plattform um eine in ihr und senkrecht zur Beschleuni
gungsrichtung liegende horizontale Achse erzeugt werden.
Für die Prüfung der Anzeigegenauigkeit von Kreiselkompassen bei tiefen und
hohen Umgebungstemperaturen (0 bis 60 °C) wurde nach den Entwürfen von Labor
und Prüffeld eine fahrbare Klimakammer von der Versuchswerkstatt fertiggestellt.
Sie wurde für Untersuchungen über die Raumtemperaturanfälligkeit handelsüb
licher Kreiselkompasse sowie für die Prüfung der o. a. Anlage PL 41 eingesetzt.
Das für die Seevermessung entwickelte halbautomatische Gerät zur Auswertung
von Echolotregistrierungen*) wurde durch einen elektronischen Zwischenspeicher