Geophysik und Astronomie
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9. Zeitdienstinstrumente
a) Photographisches Zenitfernrohr
Das Photographische Zenitfernrohr (PZT) wurde mit dem Ziel weiterentwickelt, die
photographische Registrierung der Sterndurchgänge nicht nur automatisch ablau
fen zu lassen, sondern auch die Anwesenheit eines Beobachters überflüssig zu
machen. Es wurde eine neuartige Einrichtung für die Bewegung des Plattenwagens
konstruiert und zunächst als Muster, dann als einsetzbares Gerät in der Zeitdienst
werkstatt aufgebaut und erprobt. Bei dieser Konstruktion trägt die Getriebespindel
einen Schrittmotor, der durch elektronisch erzeugte Impulse gesteuert wird.
Die Betriebssicherheit der Programmautomatik wurde durch Einbau integrierter
Elektronikbauelemente und eine verbesserte Entstörung erhöht. Durch zusätzlich
installierte Wahlschaiter kann das Beobachtungsprogramm für eine Nacht im vor
aus festgelegt werden. Ferner wurde ein Regendetektor gebaut und erprobt. Er
soll bei vollautomatischem Betrieb im Bedarfsfall das Dach über dem PZT schlie
ßen. Am ursprünglichen PZT-Getriebe wurde ein im Fachgebiet entwickelter
photo-elektrischer Impulsgeber angebracht.
b) Geräte für die Zeitbewahrung und Zeitverbreitung
Im Juli 1970 zeigte die Caesium-Atomuhr Unregelmäßigkeiten und war im August
und September beim Hersteller zur Überholung. Zur Überwachung der Ausgangs
frequenzen der Atomuhr und zweier Quarzuhren wurde eine Phasendifferenzmeß
einrichtung entwickelt und gefertigt. Sie arbeitet in Verbindung mit einem Linien
schreiber und hat eine Auflösung von 0,01 Mikrosekunden.
Im Jahr 1970 wurde ein Frequenzteiler aus neuartigen elektronischen Bauelemen
ten entworfen und später zum Signalgeber erweitert. Einbezogen sind Modula
tionsgeräte neuer Konzeption. Der Signalgeber besteht aus drei unabhängigen
Teilgeräten, die einander überwachen und die etwaige Abweichung eines Geräts
signalisieren; die Signale werden dann von einem der beiden ungestörten Teilge
räte gegeben. Zum Ende des Jahres 1971 waren zwei der drei Teilgeräte fertig
gestellt. Der neue Signalgeber soll mit einem 1970 beschafften Digitaldrucker ver
bunden werden. Dieser druckt die Zeitpunkte der Registrierungen aus bis zur
sechsten Dezimale der Sekunde, bezogen auf die Anzeige des Signalgebers.
Bei der Sendefunkstelle Mainflingen wurde ein im Fachgebiet gebauter Zeitinter
vallmesser installiert. Er zeigt laufend den Stand der Zeitsignale an, die der
Deutschiandfunk verbreitet. Zur Abgabe von Kurzzeitzeichen an den Norddeut
schen Rundfunk und von Synchronisierungsimpulsen an die Baubehörde der
Freien und Hansestadt Hamburg wurden Gebergeräte entwickelt und gefertigt.
c) Geräte für den Empfang von Zeitsignalen
Für die fortlaufende Registrierung der Navigationsimpulse des Loran-C-Senders
Sylt zum Zweck des Präzisionszeitvergleiches wurde ein Spezialempfänger ent
wickelt und gebaut. Die Standardabweichung der gemessenen Empfangszeiten be
trägt 0,2 Mikrosekunden.
Die Installation einer zweiten Fernsehantenne für Weitempfang gestattet es seit
1970, einen zusätzlichen Fernsehsender für Präzisionszeitvergleiche zu empfangen.