Geophysik und Astronomie
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stein wurde an den meisten dieser Stellen Gasmunition vom Meeresgrund gebor
gen.
8. Zeit- und Breitendienst, Chronometrie
a) Zeit- und Breitenbestimmung
Am 250/3750 mm Photographischen Zenitfernrohr (PZT) wurden in 172 Nächten
3880 Durchgänge von Fixsternen beobachtet. Davon entfielen 3424 auf die 119
Programmsterne für die Zeit- und Breitenbestimmung, die restlichen auf 16 Zu
satzsterne, die von 1972 an einen Teil der bisherigen Programmsterne ersetzen
sollen. Korrektionen der angenommenen Örter der Zusatzsterne wurden aus den
Beobachtungen 1964,5 bis 1971,5 abgeleitet.
Die Ergebnisse der Zeit- und Breitenbestimmungen wurden wie bisher wöchent
lich dem Bureau International de l'Heure (BIH), Paris, monatlich dem Zentralbüro
des International Polar Motion Service in Japan und anderen Interessenten mit
geteilt. Seit Juni 1971 beteiligt sich das DHI an dem Schnelldienst des BIH für
Zeit und Polbewegung, indem es seine Daten kurzfristig durch Fernschreiben
übermittelt. Der Schnelldienst wurde probeweise mit Unterstützung des Jet Pro
pulsion Laboratory, Pasadena, eingerichtet und soll die Orientierung der Erde im
Raum für Zwecke der Weltraumforschung möglichst genau Vorhersagen. Das DHI
lieferte ferner monatlich eine Liste der Emissionszeiten eigener und Empfangs
zeiten fremder Zeitsignale, die dem BIH sonst nicht gleichwertig zur Verfügung
stehen.
Aus den PZT-Beobachtungen der Jahre 1963 bis 1969 wurde die halbtägige Mond-
gezeit M2 der Lotbewegung in Meridianrichtung abgeleitet. Die ermittelte Ampli
tude (0,0077" ± 0,0027") führt auf den Amplitudenfaktor
A = 1 + k - I = 1,04 ± 0,30.
Die abgeleitete Phase weicht nicht signifikant von der Gleichgewichtsphase ab.
Die am PZT beobachteten Breiten zeigen im Laufe der Nacht systematische Ver
änderungen, die von der Jahreszeit abhängen und bis zu 0,01"/1 h betragen. Be
rücksichtigt man diese Störung, wenn die Korrektionen des Sternkatalogs be
stimmt werden, so verschwinden weitgehend die systematischen Fehler der Stern
örter, die bisher jährliche (nicht von der Polbewegung herrührende) Breitenände
rungen (z-Glied) vorgetäuscht haben. Hierüber trug der Fachgebietsleiter bei der
14. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Brighton
vor.
b) Zeitbewahrung, Zeitvergleiche
Die Hauptuhren des DHI und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB),
Braunschweig, wurden durch beiderseitige Messung von Bildsynchronisations
impulsen des Fernsehsenders Uelzen verglichen. Schneller Datenaustausch er
möglicht es, die Anzeigedifferenz jederzeit auf 0,2 Mikrosekunden genau anzuge
ben. Im Rahmen eines Studienprogramms des Comité Consultatif International des
Radiocommunications (CCIR) wurden diese Differenzen von November 1970 an
noch über weitere Fernsehsender bestimmt, außerdem durch Messung der Impuls
phase des Loran-C-Senders Sylt und der Phase der Trägerfrequenz des Lang
wellensenders DCF77.