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25./26. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1970/71
Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde ein neues Computerprogramm erstellt
für die Interpolation beliebiger Meßpunktfolgen und Flächenraster, insbesondere
für die Anwendung bei den digitalisierten Tiefen, für die Darstellung zweidimensio
naler Beziehungen und für das automatische Plotten von Schwereanomalien. Mit
diesem Programm soll zukünftig auf der neuen elektronischen Rechenanlage des
DHI gerechnet werden.
Die Seemessungen der Jahre 1965, 1966 und 1968 wurden nach der Grundaus
wertung weiter bearbeitet und veröffentlicht. Die Bouguer-Anomallen der „Me-
teor“-Fahrt Nr. 4, 1966, wurden errechnet und dargestellt, die Bouguer-Anomalien
für die anderen Seegebiete werden z. Z. berechnet, die Veröffentlichungen werden
vorbereitet. Die Ergebnisse der Schweremessungen werden dem Internationalen
Gravimetrlschen Bureau in Paris regelmäßig mitgeteilt.
Auf der Fahrt Nr. 20b des FS „Meteor“ vom 28. 5. bis 5. 7. 1970 wurde in Zusam
menarbeit mit der Abteilung Seevermessung die morphologische, gravimetrlsche
und erdmagnetische Aufnahme des Island-Färöer-Rückens, die auf der Fahrt Nr. 14
begonnen worden war, nach NW weitergeführt und auf dem Isländischen Schelf
abgeschlossen. Im Gegensatz zu dem stark strukturierten tieferen Untergrund
nahe den Färöer traten In dem nordwestlichen Teil des Rückens keine gravime
trlschen Besonderheiten auf, das heißt, der Dichteaufbau des tieferen Untergrundes
Ist Im NW weitgehend homogen. Einige stärkere magnetische Anomalien, die In
den Seekarten z. T. als „Gebiete unsicherer Mißweisung“ ausgewiesen sind, wur
den auf Wunsch des Isländischen Forschungsrates enger vermessen (s. Abb. 17).
Die Ergebnisse der magnetischen Vermessung des Rückens sind In einer Isodyna
menkarte, einer Isanomalenkarte und einer kartographischen Darstellung der kurz
welligen Störungen zusammengefaßt worden. Lineare magnetische Anomalien, wie
sie über mittelozeanischen Rücken gefunden wurden, fehlen In diesem Seegebiet.
In der Zelt vom 16. 8. bis 21. 9. 1971 wurde mit dem VFS „Komet“ eine morpholo-
gisch-gravimetrisch-magnetische Vermessung des Island- Jan-Mayen- Rückens zwi
schen Island und 70° N durchgeführt. Es handelt sich um eine von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft unterstützte, gemeinsame Forschungsaufgabe des DHI
mit der Bundesanstalt für Bodenforschung und dem Institut für Vermessungskunde
der T. U. Braunschwelg. Die Hauptziele dieser Forschungsfahrt waren die Gewin
nung neuen Lotungsmaterials für die Bearbeitung der „General Bathymetrlc Chart
of the Oceans“ und die Erforschung der Besonderheit Islands In der geologisch
geophysikalischen Entwicklung des Nordatlantischen Ozeans. Die erste Auswertung
der magnetischen Messungen zeigte lineare Anomalien parallel zur Achse des
Island- Jan-Mayen- Rückens, die darauf hindeuten, daß sich von diesem Rücken
aus seit wenigstens 10 Millionen Jahren beständig neuer Ozeanboden bildet und
mit einer Geschwindigkeit von 1 cm/Jahr seitwärts ausbreitet.
7. Erdmagnetisches Observatorium Wingst
Die Basisbestimmungen der Horizontal-, Vertikal- und Totalintensität mit dem
Protonen-Komponenten-Magnetometer wurden regelmäßig durchgeführt. Die De
klination wurde weiterhin mit dem Stationstheodoliten Schulze Nr. 75 gemessen.
Die Basis der Vertikalintensität wurde mit zwei Z-Waagen, die der Horizontalinten
sität mit dem Stationstheodoliten und mit zwei Quarz-Horizontal-Magnetometern
kontrolliert. Die Werte der Totalintensität wurden mit einem Protonenmagnetome-