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25./26. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1970/71
Das 1. Programm des Norddeutschen Rundfunks und des Westdeutschen Rund
funks verbreiteten regelmäßig die Vorhersage der Hochwasserstände an der deut
schen Nordseeküste, bei Emden, Bremen und Hamburg im Anschluß an die Nach
richtensendungen um 09.00 Uhr und um 22.00 Uhr. Radio Bremen brachte die
Vorhersagen anschließend an die Nachrichtensendungen um 10.00 Uhr und um
22.00 Uhr auf der „Hansa-Welle“ sowie um 09.00 Uhr im 2. Programm. Seit dem
30.5.1971 strahlt auch der Deutschlandfunk auf Mittelwelle 1268 kHz = 236,5 m
die Wasserstandsvorhersagen und Sturmflutwarnungen aus, und zwar gegen 01.05
Uhr und 12.05 Uhr im Anschluß an den Seewetterbericht. Die Radarleitzentrale
Cuxhaven und der Schiffsmeldedienst Hamburg erhielten regelmäßig Wasser
standsvorhersagen für die jeweils kommenden Hoch- und Niedrigwasser. Der
Fernsprechansagedienst der Bundespost (Rufnummer Hamburg 11 55) brachte wie
bisher die vorausberechneten Hoch- und Niedrigwasserzeiten für Cuxhaven und
Hamburg sowie gegebenenfalls die Sturmflutwarnungen für das Gebiet des Ham
burger Hafens. Der Geophysikalische Beratungsdienst der Bundeswehr sowie die
Wetterämter Bremen und Schleswig erhielten Vorhersagen und Warnungen durch
Fernschreiben.
An amtliche und private Stellen waren täglich mündliche Auskünfte verschiedenster
Art für Orte der Nord- und Ostseeküste sowie gelegentlich schriftliche Auskünfte
und Gutachten zu erteilen.
In den Jahren 1970 und 1971 wurden über den Rundfunk 56 „Sturmflutwarnungen“
und zwei „Warnungen an die Schiffahrt“ vor besonders niedrigem Hochwasser
ausgegeben (Abb. 16). Die Ostseeküste Schleswig-Holsteins brauchte nicht ge
warnt zu werden. Ein fester Empfängerkreis, dem 343 Behörden und Firmen ange
hörten, erhielt telegraphisch oder telephonisch insgesamt 7061 Warnungen vor
Sturmfluten oder niedrigen Wasserständen. Seit dem 1.7.1971 werden die War
nungen nur noch durch Wobs-Telegramme der Bundespost befördert, auch im
Hamburger Raum; hier haben es, durch Vermittlung der Handelskammer und der
Behörde für Inneres, 9 Telegrammempfänger übernommen, die Warnungen an
etwa 80 Stellen weiterzuverteilen.
4. Navigation
a) Astronomische Ephemeriden
Die Ausgaben 1971 und 1972 des „Nautischen Jahrbuchs“ erschienen jeweils Mitte
des Vorjahres und in einer Auflage von 4200 Stück. Die Druckvorlage für den Jahr
gang 1973 war am Jahresende 1971 fertiggestellt. Sie wurde erstmals durch die
Rechenanlage des Instituts automatisch erstellt mit Hilfe von Lochkarten, die das
britische Nautical Almanac Office und das Astronomische Recheninstitut, Heidel
berg, zur Verfügung stellten. — Für den Gezeitenkalender, die Wetterkarten des
Seewetteramts und weiterer Wetterämter sowie Tageszeitungen und Kalender
hersteller wurden die Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond ermittelt.
Zahlreiche Stellen erhielten auf Anfrage Auskünfte über die Stellung der Sonne
oder des Mondes und über Helligkeitsverhältnisse.
b) Navigationsmethoden
Der Fachgebietsleiter nahm zur Erprobung moderner Navigationsmethoden an drei
Fahrten des FS „Meteor“ teil. Auf der Fahrt Nr. 20b (Sommer 1970) wurden die