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25726. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1970/71
b) JONSWAP 2
Noch in Woods Hole wurde — anknüpfend an die bisherigen Ergebnisse — für den
Sommer 1973 ein weiteres internationales Großprojekt mit dem Namen JONSWAP
2 westlich Sylt geplant. Die mit dem Seegang zusammenhängenden Wechselwir
kungsprozesse zwischen Ozean und Atmosphäre werden diesmal vorwiegend von
der atmosphärischen Seite her untersucht. Organisation und Koordinierung von
JONSWAP 2 wurden dem Fachgebietsleiter übertragen. Das Fachgebiet arbeitete
maßgeblich an der Wiederherstellung des Sylter Pfahl-Profils, insbesondere am
Neuaufbau des großen Meßpfahles „Pisa“.
c) Seegangsmessungen
Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesministeriums für Bildung und
Wissenschaft wurden im Herbst 1970 Seegangsmessungen westlich von Sylt bei
Sturm ausgeführt. Das Projekt, das der Erweiterung der JONSWAP-Ergebnisse auf
extreme Wetterlagen und Wellenhöhen dienen soll, mußte durch den allmählichen
Verlust von fast allen Pfahlstationen des Sylter Meßprofils wesentlich reduziert und
schließlich abgebrochen werden. Vom 19. bis 22.10.1970 wurde die erste Herbst
sturmlage mit drei Meßstationen noch erfaßt: Eine vom Koninklijk Nederlands
Meteorologisch Instituut geliehene Waverider-Boje auf der Position des im August
1970 umgefahrenen großen Meßpfahles „Pisa“, eine Druckmeßdose auf Position 4
(6,5 km westlich Sylt) und ein Wellenpegel auf Station 4 übertrugen die Seegangs
daten telemetrisch zur Landstation, wo in 4-Stunden-lntervallen registriert wurde.
Die Registrierungen wurden ausgewertet. Bei dem darauffolgenden Sturm stürzten
alle vier Pfähle der Station 4 um. Die Messungen sollen jedoch fortgesetzt werden,
sobald der Pfahl „Pisa“ und einige der landnahen Pfähle wieder aufgerichtet wor
den sind.
Vom 24. 8. bis 19. 9.1970 nahmen zwei Mitglieder des Fachgebietes an der For
schungsfahrt des WFS „Planet“ ins Gotland-Becken teil. Im Ver
lauf der Reise wurden 56 Richtungsspektren des Seegangs mit einer Pitch- und
Roll-Boje gemessen. Die Richtungsspektren wurden bereits berechnet. Gemeinsam
mit Prof. Dr. Krauß vom Institut für Meereskunde an der Universität Kiel und Prof.
Dr. Hasselmann vom Institut für die Physik des Erdkörpers der Universität Hamburg
soll mit diesen Seegangsmessungen, die zusammen mit umfangreichen Strömungs
und Temperaturmessungen vorgenommen wurden, die Anregung von internen
Wellen und insbesondere von langperiodischen Strömungen durch nichtlineare
Wechselwirkungen im Bereich der Seegangsfrequenzen erforscht werden.
Die Messungen mit den Seegangspegeln des Meßnetzes in der Nord- und
Ostsee wurden 1970 und 1971 fortgesetzt. Nach Neueinrichtung der Station „Alte
Weser“ sind dort Vergleichsmessungen des Seegangs zwischen einem Seegangs
pegel des DHI und kinematographischen Aufnahmen gegen eine Meßplatte ausge
führt worden. Der Vergleich soll klären, wie genau die mit den Seegangsmeßpegeln
gewonnenen Registrierungen den tatsächlichen Seegang wiedergeben.
Die Auswertung der Messungen der Seegangsmeßnetz-Stationen wurde besonders
im Hinblick auf maximale Wellenhöhen und scheinbare Perioden sowie deren Ab
hängigkeit von der Windrichtung fortgeführt.