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25-/26. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1970/71
nähe lagen, wurden insgesamt 44 selbstregistrierende Meßgeräte, davon 30 Strom
messer ausgelegt; sie waren überwiegend in „Ketten“ zusammengefaßt, bei denen
an jeweils einem Ankerstein mehrere Geräte übereinander verankert wurden. Die
Registrierzeit betrug bis zu 19 Tagen. Die Anordnung der Stationen mit veranker
ten Strommessern, Thermographen, Hochsee- und Thermopegeln in Dreiecksform
sowie die zusätzlichen Vertikalsondierungen mit Nansenschöpfern und Bathyson-
den, z. T. in engen zeitlichen Abständen auf Dauerstationen, ermöglichten die
Erfassung der raumzeitlichen Veränderlichkeit von Temperatur, Wasserstand
und Strömungen sowie der zeitlichen Schwankungen von Temperatur, Salz
gehalt und Sauerstoffsättigung. Die Messungen sollten hauptsächlich Aufschlüsse
über die Bewegungen der ozeanischen Front zwischen dem warmen nordostatlan
tischen und dem kalten ostisländischen Wasser, die damit gekoppelten horizon
talen und vertikalen Stromscherungen, Wellenlängen und Phasengeschwindigkeit
von speziellen Schwingungsvorgängen — wie internen Wellen — sowie über den
Einfluß der Topographie des Schelfrandes auf diese Vorgänge geben.
Die Bearbeitung des umfangreichen Materials wurde begonnen; eine Verzögerung
ergab sich durch die technischen Anlaufschwierigkeiten der neuen hauseigenen
Rechen anlage.
Während des ersten Fahrtabschnitts der Forschungsfahrt Nr. 21 des
FS „Meteor“, die hauptsächlich radiologischen Untersuchungen in der Iberischen
Tiefsee (um 42,5° N, 14,5° W, vgl. auch Abb. 21) diente, wurden auf einem Schnitt
von dort über die Josephine-Bank bis Gibraltar und weiter durch das westliche
Mittelmeer bis vor Monaco mit Schöpfern und mit der Bathysonde die Verteilun
gen von Temperatur und Salzgehalt gemessen — soweit möglich bis in Boden
nähe. Es ergab sich ein gutes Bild von der Einlagerung des Mittelmeerwassers
in die nordatlantischen Wassermassen.
Der zweite Abschnitt dieser Reise bezweckte vor allem die Wiederholung eines
Diffusionsversuchs, wie er fast am gleichen Ort zuerst auf Reise Nr. 7
im Jahre 1966 durchgeführt worden war: Am 8. 10. 1970 wurde auf einer Position
etwa 90 sm südsüdwestlich von Monaco eine Lösung von 300 kg Testfarbstoff Rho
damin B ausgepumpt. Die Verdünnung erfolgte anfangs unerwartet rasch, nach
eingetretener Wetterberuhigung dann wesentlich langsamer. Nach neun Tagen
hatte der Farbfleck eine halbkreisförmige Form angenommen, dessen Achse über
90 km lang war und dessen Fläche über 500 km 2 betrug. Zur Erfassung der hydro
graphischen Umgebungsbedingungen wurden sowohl Strömungsmessungen (in
einem gleichseitigen Dreieck mit 10 sm Kantenlänge wurden insgesamt zehn Ge
räte an Ankersteinen auf 2650 m Tiefe ausgelegt) als auch Bathysondenmessungen
während des Experiments durchgeführt, die einen Einblick in die äußerst kompli
zierte und an Feinstrukturen reiche Schichtung ergaben.
Die Aufbereitung der Ergebnisse des Diffusionsversuchs konnte inzwischen abge
schlossen werden; bei der wissenschaftlichen Bearbeitung werden vor allem Ver
gleiche mit dem früheren Mittelmeerversuch einerseits sowie mit den seit 1962
erzielten Ergebnissen aus der Nordsee andererseits angestellt. Es wurde versucht,
aus beobachteten Konzentrationsverteilungen Zusammenhänge zwischen dem
Stromfeld und dem Ablauf des Diffusionsvorganges abzuleiten, insbesondere hin
sichtlich der immer wieder zu beobachtenden Anisotropie.
Die Bearbeitung der physikalischen Messungen der „Meteor “-Reise Nr.
1 3 im Auftriebwassergebiet des nordwestafrikanischen Schelfs konnte im wesent
lichen abgeschlossen werden. Eine Veröffentlichung unter dem Titel „Der hydro
graphische Aufbau und die zeitliche Variabilität der Schichtung und Strömung im