Seevermessung
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Zusammen mit dem Vermessungsschiff „Süderoog“, das zwei Po-
iyester-Vermessungsboote an Bord hat, wird die Seevermessung daher jetzt weit
gehend in der Lage sein, ganze Gebiete von Küsten- oder anderen Seekarten in
den heimischen Gewässern zusammenhängend zu vermessen und dabei die Topo
graphie des Seebodens dort, wo es notwendig ist, durch größere Maßstäbe der
Arbeitskarten, d. h. durch Lotungslinien in engerem Abstand vollständiger zu erfas
sen als bisher. Ein wirtschaftlicher Einsatz von „Komet“ und „Süderoog“ setzt
jedoch voraus, daß auch „Ausweichaufgaben“ für ungünstige Wetterlagen einge
plant werden und vor allem, daß die Schiffe genügend Persona! haben, um bei
einem normalen Anteil an Ausfällen, der durch Krankheit usw. immer gegeben ist,
voll Weiterarbeiten zu können.
Neben den Vermessungen in den heimischen Gewässern lotete „Komet“ 1970 den
von der North Sea Hydrographie Commission empfohlenen, 5 sm breiten Tiefwas
serweg von P 8 in Richtung Pentland Firth zwischen 4° 35’ und 3° Ost aus. Damit
ist die Vermessung des der Bundesrepublik übertragenen Teils dieses Tiefwasser
weges fertiggestellt; das Stück von P 8 bis 4° 35’ Ost hatte „Gauß“ 1968 bearbeitet.
Darüber hinaus hat „Komet“ den deutschen Anteil dieses Weges mit Sonar nach
Unterwasserhindernissen abgestrahlt. Später stellte sich jedoch heraus, daß die
Sonar-Anlage nicht voll betriebssicher war. Der Weg wird deshalb noch einmal
abgesucht werden.
In der Ostsee wurden im Jahre 1970 umfangreiche Vermessungen vorgenommen,
um in erster Linie der nautischen Kartographie einwandfreie, nach neuen Methoden
gewonnene Unterlagen für die geplante Neue Ausgabe der deutschen Seekarte
Nr. 30 „Kieler Bucht“ (1 :100 000) zu liefern. Die Auslotung des zwischen den Ver
messungsaufgaben O 32 und O 34 liegenden Seegebiets mußte wegen einer drin
genden Sonderaufgabe für „Komet“ (s. unten) und der vorgeschrittenen Jahreszeit
auf die nächste Vermessungsperiode verschoben werden. In den nördlich angren
zenden Seegebieten haben auf Grund einer Vereinbarung mit Det Kongelige
Danske Sökort-Arkiv dänische Vermessungsschiffe gearbeitet. Die von beiden
hydrographischen Diensten erzielten Ergebnisse werden ausgetauscht.
Außer „Komet“ und „Süderoog“ nahm das Vermessungs- und Wrack
suchschiff „Atair“ an den Vermessungsarbeiten des Jahres 1970 in der
Nord- und Ostsee teil. Ein zur Beschleunigung der Vermessungsarbeiten in den
Wattengebieten erteilter Auftrag zur Herstellung eines Luftbildplanes auf Grund
von Luftbildaufnahmen bei Niedrigwasser mußte zurückgezogen werden, weil die
beauftragte Firma aus Wettergründen mit dem Bildflug bis zum festgelegten Termin
nicht beginnen konnte.
In einem mehrwöchigen Sondereinsatz stellte VFS „Komet“ in einem schlick
reichen Gebiet am Südausgang des Kleinen Beit (das im Arbeitsbereich des däni
schen hydrographischen Dienstes liegende Aufgabengebiet O 4 a) 11 magnetische
Störungen fest, die mit großer Wahrscheinlichkeit von Wracken, versenktem Schrott
oder versenkter Munition erzeugt werden. 40 weitere Störungen können eine ent
sprechende Ursache haben, aber auch natürlichen Ursprungs sein. Besonders eng
maschige Lotungen der „Süderoog“ im südlich angrenzenden steinreichen See
gebiet haben keine Hinweise auf versenkte Munition erbracht. Die Ergebnisse der
magnetischen Messungen der „Komet“ bilden die Unterlagen für weitere Aktionen
anderer Dienststellen.
Das VFS „Komet“ wurde 1970 ferner für eine kurze Fahrt zur Entnahme von Boden
proben in der Nordsee, das VS „Süderoog“ zur Baumusterprüfung des neuen
Decca-Navigator-Empfängers MK 21 im Hi-Fix-Bedeckungsbereich eingesetzt. VWS