Die Küste, 59 (1997), 1-26
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oder nordfriesischen Küste „Schaumberge“ auf, die auf eiweißartige Ausscheidungen dieser
Planktonalge zurückzuführen sind. Voraussetzung für die Entwicklung der Massenvorkom
men von Pbaeocystis sind gute Lichtbedingungen und Temperaturen über 10 °C; Nährstoffe
sind am Beginn der Massenentwicklung ausreichend vorhanden (ElbräCHTF.R et al., 1994).
In Kulturexperimenten zeigte sich, daß sich die Vermehrungsrate bei Temperaturen über
20 °C verlangsamt und über 25 °C keine Vermehrung mehr stattfindet.
Betrachtet man die Häufigkeitsverteilung der Wassertemperaturen für die 60 Küsten-
orte, so erkennt man deutliche Unterschiede zwischen Nordsee und Ostsee. Die Tempera
turen in der Nordsee betragen am häutigsten 3-4 °C, in der Ostsee 2-3 °C {Abb. 6). 8-12 %
der Modellwerte in den Küstengewässern der Nordsee liegen zwischen 2,51 °C und 3,49 °C,
bei Spiekeroog, Langeoog und Norderney-West liegen 12-16% der Werte zwischen 3,51 und
4,49 °C. In der Ostsee ist das Häufigkeitsmaximum noch etwas ausgeprägter, 12-20 % der
Modellwerte liegen im Intervall 1,51 °C bis 2,49 °C. Weitere relative Maxima sind bei 13 und
17 °C zu erkennen.
Im folgenden werden die Schwankungen der Temperatur im Tagesverlauf (0-23 Uhr
UTC) untersucht. Wie bereits oben erläutert, können Temperaturschwankungen an einem
festen Ort im Meer recht unterschiedliche Ursachen haben. So werden in der Nordsee die
größten Schwankungen im Tagesverlauf nicht durch die solare Einstrahlung verursacht, son
dern durch Gezeiten. Dieses läßt sich mit großen horizontalen Temperaturgradienten im
Wasserkörper erklären, die durch Gezeitenströme über den lokal fixierten Meßpunkt ge
schoben werden. Regionale Unterschiede zeigen sich bereits beim Vergleich der Eintritts
zeiten der Temperaturmaxima im Sommerhalbjahr (21. März-22. September) (Abb. 7).
Während in der Ostsee die sommerliche Maximaltemperatur recht zuverlässig um 16-17 Uhr
(UTC) eintritt, kann sich diese Eintrittszeit in der Nordsee offensichtlich in Abhängigkeit
von der Gezcitenphase verschieben. In Nord- und Ostsee stellt sich das Temperaturmini
mum im Sommerhalbjahr meist um 5-6 Uhr UTC ein. Im Winterhalbjahr sind die Eintritts
zeiten der Extrema weniger signifikant. Wegen der verkürzten Sonneneinstrahlung tritt das
Temperaturmaximum bereits um 14-15 Uhr UTC ein, das Minimum um 7-8 Uhr UTC.
Von besonderer Bedeutung für ortsfeste marine Flora und Fauna sind die maximal auf
tretenden Temperaturschwankungen. Der Temperaturhub im Verlauf eines Tages ist erwar
tungsgemäß in den Wattgebieten am größten (Abb. 8). Es werden Hübe von über 6 K an den
Stationen Dorumer Siel und Norddeich erreicht. In der weitgehend gezeitenfreien Ostsee
treten extreme, durch Gezeitenströme erzeugte Temperaturschwankungen in der Regel nicht
auf. Lediglich bei Grömitz findet sich im Untersuchungszeitraum ein maximaler Tempera
turhub von über 5 K, der allerdings durch ein singuläres Auftriebsereignis zustande kam. In
der Regel schwankt die Wassertemperatur in der Oberflächenschicht der Ostsee im Tages
verlauf um weniger als 0,5 K. Der mittlere, gezeitenabhängige Hub in der Nordsee beträgt
etwa 1 K.
Auftriebsereignisse werden auch in Abb. 9 deutlich. Hier ist der Temperaturverlauf bei
Kloster und am Weißenhäuser Strand von Juni 1994 bis August 1995 dargestcllt. Man erkennt
besonders während des Sommers plötzliche Temperaturrückgänge. Mit Ziffern (1-8) sind die
einzelnen relativen Minima versehen, die einen Temperaturabfall von mehreren Kelvin dar
stellen. An diesem Beispiel werden Auftriebsereignisse besonders an der Westküste Rügens
vor Hiddensee, aber auch z. B. an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste vor Grömitz
deutlich. Bei längeranhaltenden ablandigen Winden wird hierbei das warme Oberflächen
wasser von der Küste abtransportiert, und kälteres Tiefenwasser kann von unten nachströ
men. Das zeigt sich aufgrund der Erwärmung des Oberflächenwassers vor allem in den Som
mermonaten, wie an den zahlreichen Temperatureinbrüchen im Bereich vor Kloster zu er-